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Wettstreit
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer! Manchmal ertappe ich mich selbst dabei, dass ich Vergleiche anstelle:Welche Fortschritte macht mein Kind?
Wer backt den besten Kuchen fürs Gemeindefest? Welche Predigt war die Beste? Wettkämpfe gehören zum Alltag und machen auch vor unserer Religion nicht halt.
Unbestritten bringt es Vorteile, unter den Ersten zu sein. Wir freuen uns, wenn wir an den Ehrentisch gebeten werden. Geschmeichelt nehmen wir dort Platz. Es ist darum nicht weiter erstaunlich, dass auch die Freunde Jesu wissen wollen, wo sie auf der himmlischen Rangliste stehen.
Sie fragen: Wie sieht es aus mit uns, haben wir eine Chance unter den Ersten im Himmelreich zu sein? Jesus verblüfft die nach Anerkennung suchende Männerrunde.Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
Kleine Kinder sind ganz groß bei Gott. Große, die noch größer werden wollen, und von Jesus zu Höchstleistungen angespornt werden möchten, können erstmal ihre Ziele verändern. Jesus entkräftet die gängige Wertvorstellung vom leistungsfähigen Menschen, der Stufe um Stufe der Vollkommenheit entgegen gehen muss, bis er im Zustand der Perfektion sein Ziel erreicht.
Jesus entwertet die leistungsorientierte Vorstellung des Himmelreiches. Größer, besser, weiter sind keine brauchbaren Kategorien, wenn es um das Geheimnis des Lebens geht. Jesus kommt es nicht auf sichtbare und messbare Größe an. Er bewegt zu einer anderen Sicht- und Denkweise: Werdet wie die Kinder! Aber wie kriegen wir das hin, wieder Kind zu sein? Jesus geht es nicht um Verklärung des Kindseins. Die Jünger sollen nicht mit Nostalgie ihre eigene Kindheit aufleben lassen.
Janusz Korczak, polnischer Kinderarzt und Schriftsteller hat sich damit beschäftigt, wie man als Erwachsener zugleich Kind sein kann. 1925 schrieb er ein Buch mit dem Titel: Wenn ich wieder klein bin. Er versetzt sich in die Situation der Kinder und sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Im Vorwort schreibt er an die Erwachsenen:
Zu Kindern müssen wir uns nicht herablassen und uns Große klein machen. Um Kinder zu sehen, wie sie sind, müssen wir uns auf die Zehenspitzen stellen und aufschauen. Um sie nicht zu verletzten. (kein wörtliches Zitat, sinngemäße Wiedergabe).
Eine Welt, die sich daran gewöhnt hat, auf Kinder herabzusehen, soll zu ihnen aufschauen. Ihr ungezwungener und unbekümmerter Blick auf das Leben weitet unseren Blick. Wenn wir auf Unvollkommenheit und Verletzlichkeit nicht herabsehen, sondern sie als besondere Gabe des Kindseins annehmen. Die Gabe, Kind zu sein ist nicht messbar, weder in Jahren, noch in Eigenschaften.
Kinder leben das, was ihnen wichtig ist, auf eine energische Weise vor: Kinder können spielen, dass sie die Zeit, die Angst, die Welt und sich selbst vergessen. Sie spielen sich ein auf die Möglichkeiten des Lebens. Sie können intensiv bitten, können nerven mit ihrem Betteln, ihren Vätern, Müttern und Großeltern in den Ohren liegen, bis die endlich hören, was den Kindern am Herz liegt. Sie zeigen uns damit, was es heißt zu beten und Gott zu vertrauen. Kinder leben dies aus freien Stücken. Bei ihnen zählen keine Ehrentische und keine Ranglisten. Hier zählt, dass wir Gott wie unseren Vater oder unsere Mutter ansprechen dürfen, ihm in den Ohren liegen dürfen wie ein Kind und er uns hört.
Wettstreit
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