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Die Wahrheit kennen
Autor: 7. April 1977. Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter werden erschossen.
Für den Anschlag werden später Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt verurteilt. Aber wer tatsächlich die Schüsse abgab, konnte bis heute nicht geklärt werden. 8. April 2010. Genau 33 Jahre später erhebt die Bundesanwaltschaft Anklage gegen Verena Becker. Aufgrund neuer Beweise wird der ehemaligen RAF-Terroristin nun Mittäterschaft vorgeworfen. In ihren Notizen schreibt sie am 31. Jahrestag des Attentats:
Sprecherin: Ich weiß noch nicht, wie ich für Herrn Buback beten soll. Ich habe kein wirkliches Gefühl für Schuld und Reue. Natürlich würde ich es heute nicht mehr machen.
Autor: Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, recherchierte über zwei Jahre lang auf eigene Faust, nahm Akteneinsicht, sprach mit Zeugen von damals, zog seine eigenen Schlüsse.
O-Ton: Das Problem, dass sich jetzt in den letzten zweieinhalb Jahren ergeben hat, ist ja, dass dort drei Menschen verurteilt worden sind vor vielen, vielen Jahren, aber dass unter diesen drei Menschen nicht die beiden Personen sind, die von einem Motorrad aus den dreifachen Mord verübt hatten. Das Erschreckende ist, es geht um fehlende Urteile.
Autor: Buback zeigt sich in diesen Tagen erleichtert, dass es nun zu einem neuen Prozess kommen kann.
O-Ton: Natürlich möchte man wissen, ... wer die Täter waren. ... Wenn es der Vater ist, fühlt man sich noch mal besonders verpflichtet, wenigstens darauf hinzuwirken.
Autor: Was der Privatmann Buback ermitteln konnte, hat er auf über 400 Seiten zusammengetragen. Der zweite Tod meines Vaters heißt sein Buch, das im Herbst 2009 in erweiterter Auflage erschienen ist. Mit schier unermüdlichem Einsatz hat Buback Hinweise zusammengetragen, die aus seiner Sicht schon länger den Verdacht auf Verena Becker lenken. Die Sache liest sich wie ein Krimi. Wenn es nicht so ernst wäre. Es geht um Gerechtigkeit und Wahrheit, auch um Schuld und Vergebung.
O-Ton: Also für uns geht es um die Wahrheit. Wenn ich die Wahrheit wüsste, könnte ich und das gilt sicher auch für meine Familie könnte ich mit dieser Sache abschließen. Und dann spielt das andere, die Bestrafung, für uns keine Rolle mehr.
Autor: Endlich die Wahrheit zu kennen, ist für Michael Buback das Entscheidende. Das verstehe ich. Wie will man mit einer Sache abschließen, wenn Schuld gar nicht benannt ist? Kann sich der Sohn des Opfers eine Begnadigung der Täter vorstellen? Buback begrüßt, dass Angehörige von der Pflicht entbunden sind, sich zum Stichwort Gnade überhaupt zu äußern. Aber eins ist ihm doch wichtig:
O-Ton: Wenn es um Begnadigung geht, fände ich es gut, wenn diejenigen, die Begnadigung wollen, sagen, wofür sie sie haben wollen. Gerade in dem Falle meines Vaters ist ja das Problem, man weiß gar nicht so genau, was passiert ist. Und da ist es besonders schwierig, Begnadigungsäußerungen zu machen.
Autor: Das leuchtet mir ein. Keine Gerechtigkeit ohne Wahrheit, keine Vergebung ohne Schuldbekenntnis. Das sieht schon die Bibel so. Nur so kann sie dann auch von Gnade sprechen. Nur das macht Menschen frei.
Die Wahrheit kennen
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