| |
Dinge, die es nicht gibt
Es gibt Dinge, die gibt es gar nicht. Jedenfalls nicht in der Welt, in der Lydia lebt, eine erfolgreiche Geschäftsfrau.
Dass eine Frau genau so viel wert ist wie ein Mann, zum Beispiel. Oder: Dass Menschen, die seit Generationen an Gott glauben, und solche, die ganz neu dabei sind, für Gott gleich wichtig sind. Oder dass es ganz egal ist, ob man Ausländerin ist oder nicht.
Lydia ist Händlerin, eine von den ganz Großen. Nur wenige können sich ihre Stoffe leisten, teure Stoffe für exklusive Kleidung. Aber diese wenigen kommen. Und kaufen bei ihr ein. Mächtige, Schöne, Reiche.
Doch trotz ihres beruflichen Ansehens lassen die Männer sie spüren: Du bist nur eine Frau. Und nicht nur im Geschäftsleben, auch im gesellschaftlichen Leben und erst recht im religiösen. Gerade da tut es Lydia, besonders weh, über diese wirklich wichtigen Dinge würde sie gerne mal reden. Denn sie hat genug gesehen, sie weiß, teure Kleider, schöne Gesichter, potente Männer davon sollte man sich nicht zu viel versprechen.
Darum hat sie auch den Götterglauben ihrer griechischen Welt längst hinter sich gelassen. Denn auch dort nur: schöner, besser, potenter. Ein Gott sägt am Stuhl des anderen, Kämpfe, Intrigen, Niederlagen die Götter sind derart mit sich beschäftigt
und sollen fürs Glück der Menschen zuständig sein!? Pah!
Seit einiger Zeit hält die Geschäftsfrau sich darum zu den Juden, die glauben allein an den einen Gott. Dieser Gott sagt zu seinem Volk: »Ich bin der Herr, dein Gott, dein einziger Gott. Ich habe dich befreit aus der Sklaverei.« Klar, die Geschäftsfrau weiß, damit ist diese große Sache damals in Ägypten gemeint, wo das ganze Volk für den ägyptischen Gottkönig schuften musste. Aber der eine Gott hat sein Volk befreit. Glücklich, wer zu diesem Gott gehört.
Aber so richtig dazugehören tut sie nicht. Denn sie ist eine Ausländerin, Griechin. Da kann sie nur zu den »Gottesfürchtigen« gehören, aber nicht zu den Gotteskindern. Sagen die, die schon seit Generationen dazu gehören. Und sie ist eine Frau. Frauen dürfen nicht in das Heiligste und dort beten, sagen die Männer. Darum sitzt Lydia mit den anderen Frauen draußen am Fluss und betet dort und redet.
Da kommen zwei Männer zu ihnen, setzen sich zu ihnen, hören zu, erzählen von dem einen Gott, der auch heute noch befreit, der selber ein Mensch wurde, Jesus, damit die Menschen Gott besser begreifen, die Freiheit erleben können. Ein Satz dieser Christen trifft das Herz der Geschäftsfrau: »Für Jesus Christus zählt weder Mann noch Frau, nicht Griechin oder Jüdin, nicht Herr oder Sklave. In Jesus Christus seid ihr alle gleich. Und wenn ihr zu Christus gehört, seid ihr Gottes Kinder.«
Es gibt Dinge, die gibt es also doch! Lydia entscheidet beherzt: Kommt mit Haus und Hof, ich möchte getauft werden. Zu diesem Gott, Jesus Christus, will ich gehören.
Dinge, die es nicht gibt
|