Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.05.10, Antje Borchers

Eine zweite Chance

Es gibt Sätze, die verändern eine ganze Welt – und nicht zum Besseren. Das hat »der Fischer« erlebt. Der Fischer ist ein sympathischer Mann, einer mit Herz.

Ein Arbeiter, der zupacken kann und es auch tut. Er wünscht sich nichts sehnlicher, als die Zeit zurückdrehen zu können, eine zweite Chance zu bekommen. Den Satz, den er gesagt hat, einfach zurücknehmen zu können. Dann würde er etwas ganz anderes sagen. Dann würde er sagen, dass er, ja, dass er… aber das geht halt nicht. Gesagt ist gesagt. Kein Mensch kann so etwas ungeschehen machen.

Natürlich, er kann einfach seinem Beruf weiter nachgehen, Fischen. Macht er ja auch. Schließlich muss er seine Familie ernähren. Aber wenn er nach der Arbeit noch auf dem Schiff hockt und die Netze flickt, dann überfallen sie ihn, seine eigenen Vorwürfe: Hätte ich bloß nicht diesen Satz gesagt, geschrien habe ich ihn: »Ich kenne diesen Jesus nicht!« Wenn Simon, der Fischer, daran denkt, tut es ihm unendlich leid. Er hat seinen Freund verleugnet, als es für den um Leben und Tod ging. »Freund« – das ist viel zu wenig, er war sein Leben, die Hoffnung auf ein besseres Leben. Mit ihm war der Traum von Gottes gerechter Welt zum Greifen nah. Er und die anderen, sie hatten erlebt, wie Jesus Menschen glücklich gemacht hat, rausgerissen aus dem tödlichen Einerlei, wie er sie geheilt hat, ermahnt, geliebt … Sie hatten erlebt, wie sie selbst mutiger wurden, lebensmutiger, immer mehr den Möglichkeiten vertrauten, die Gott ihnen gegeben hat. Sie merkten, hier ist einer, der bringt uns die Kraft Gottes.

Manchmal wacht der Fischer nachts auf, weil er diesen Traum von einem guten Leben immer wieder träumt – und doch weiß: Es ist vorbei, Jesus ist tot. Und Simon fühlt sich mitschuldig.

Darum fährt er also raus zum Fischen, Nacht für Nacht, als wäre nichts geschehen. – Doch letzte Nacht ist etwas geschehen. Sie hatten nichts gefangen. Als es dämmerte, kehrten sie um, Richtung Ufer. Und da stand einer, der schickte sie zurück aufs Wasser, »werft die Netze noch einmal aus«, sagte er. Jetzt?!? Es ist doch schon fast Tag… Na egal, es war sowieso alles egal. Und dann hatten sie die Netze voll. Und einer von ihnen meinte plötzlich, »der da, am Ufer, das ist Jesus«. Ach, du meine Güte! Jesus!?! Wollte Simon dem begegnen? Konnte er?

Es war Jesus. Er lebt doch! – Oder: Er lebt anders, in der neuen Welt Gottes. Der Fischer begreift es kaum, aber es ist so, wie Jesus es immer gesagt hatte: »Eine kleine Weile werde ich nicht bei euch sein, aber ich werde leben und ihr sollt auch leben!«

Es gibt Sätze, die verändern ein ganzes Leben – zum Besseren. Einen solchen Satz hört der Fischer nun von Jesus: »Simon, hast du mich lieb?«. Der Fischer begreift sofort, nichts steht zwischen uns, nicht mein Verrat unserer Freundschaft, gar nichts. Wir gehören immer noch zusammen, ich zu ihm, und er zu mir.
Es gibt Sätze, die möchte der Fischer immer wieder sagen. »Ja, Jesus, du weißt, dass ich dich liebe.«

Der Fischer fühlt sich wie neugeboren. Er kann ein neues Leben anfangen, heute!

Audiobeitrag Eine zweite Chance


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