| |
Ohne Liebe wär ich futsch
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer!Ohne Liebe wär ich futsch.,erzählt mir der 6jährige Leon nach dem Kindergottesdienst ganz direkt:
Seine 8jährige Schwester ergänzte ganz cool: Liebe bekommst du ganz leicht, du musst nur dein Zimmer aufräumen.
Beide Kinder waren sich einig: Es gibt zwei Seiten der Liebe: Die Liebe, für die man etwas tun kann, sogar muss. Und die Liebe, die Kinder annimmt, wie sie sind, für die man nichts tun kann. Sie wird einfach geschenkt oder ein Leben lang vermisst.
Mit Liebe bin ich da, ohne Liebe wär ich futsch. Kinder sind in ihrer Sprache am Kern der Dinge. Als ich fragte, wie Leon das meint, antwortete er: Na, dass sich einer um mich kümmert. Sich kümmern, Kummer haben, beide Worte gehören zum selben mittelhochdeutschen Wortstamm kum, das Wort bedeutet Schrott und Müll.
Wenn wir Kummer haben und es kümmert sich jemand um uns, dann sorgt er für unsere Müllentsorgung des Herzens. Jeder einfühlsame Mensch kann das. Vertrauenspersonen sind gefragt, nicht unbedingt besondere Autoritäten. Es muss kein Priester, keine Pfarrerin sein, einfach ein Mensch, der Kummer anhört, ohne abzuwimmeln.
In der evangelischen Kirche kann jeder und jede dieses einfühlsame Ohr für andere haben. Wir nennen das Priestertum aller Gläubigen. Das Erzählen des Kummers schafft den Anfang. Gemeinsam kann dann Zerbrochenes aufgeräumt werden, bevor der Schrott und Müll der Seele den Lebensnerv abklemmt. Die überflüssigen Reste sortiert und weggeräumt werden.
Besonders ist bei Kindern: Man kann keinen Termin verabreden, denn Kinder leben im Jetzt. Kummer lässt sich nicht verschieben. Mitten in der Schulstunde oder bei der Schatzsuche am Kindergeburtstag. Wenn der Kummer hochsteigt, ist jemand gefragt, der sich kümmert. Der Augenblick zählt und das offene Ohr, das auch den Abstand wahrt.
Ohne Liebe wär ich futsch. Das Zimmer aufräumen ist leicht, aber die eigene Seele aufräumen, das ist allein zu schwer. Kinder brauchen den sicheren Grund, auf dem sie stehen können, um Erfahrungen von Kummer zu bewältigen. Wenn dieser Grund wackelt, z.B. weil jemand krank wird, brauchen wir Menschen, die uns festhalten.
Wenn das Leben drückt, gibt es für Eltern Beratung oder eine Gesprächsgruppe, die weiter hilft. Kinder, die genauso belastet werden von einschneidenden Lebenskrisen, sind genauso angewiesen auf Seelsorge.
Manchmal kommt die Hilfe spät, erst dann, wenn die Schule Leistung fordert und ein vorher klarer Kopf nicht mehr denken kann. Seelsorge, die Kinder stützen will, verstehe ich weniger als Glaubensgespräch mit Bezug zu biblischen Worten und Gesangbuchversen. Kinder leben einen eigenständigen Glauben, den sie durch die Taufe erhalten haben. (Martin Luther) Seelsorge ist Zeit zum Reden mit Gott und mit Freunden: Danach ist meine Seele wie aufgeräumt. Wissen, einer ist da. Spüren, ich bin Gott wichtig, meine Not ist Gott nicht gleichgültig.
Ich darf erzählen, was mich bedrückt. Kinder vertrauen, dass Gott ihnen zuhört, und werden neugierig auf diesen unsichtbaren Gott. Da kommen auch unbequeme und phantasievolle Fragen: Ist Gott grau oder bunt? Ist er eine Frau oder ein Mann? Hat er Augen und Ohren oder ist er wie der Wind? Wenn ich das alles auch nicht weiß, eines ist sicher. Er hört mir zu, darum weiß ich, er nimmt mich an, wie ich bin. Mit Liebe bin ich da, ohne Liebe wär ich futsch.
Ohne Liebe wär ich futsch
|