Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

03.05.10, Antje Borchers

Alles anders machen

Es gibt Tage, da möchte man alles anders machen, da merkt man: So wie bisher kann es nicht weitergehen. – Genau das jedenfalls hat »der Zöllner« gemerkt.

Als Zöllner lebt er nicht schlecht, verdient nicht schlecht, aber gut… tja, gut geht es ihm trotzdem nicht.

Es gibt Tage, da würde der Zöllner gern mal mit jemandem reden, vertrauensvoll, ohne geschäftliches Taktieren. Einfach so von Mensch zu Mensch. Dann… würde er, Zachäus, sich vielleicht auch trauen, Mensch zu sein. Heute ist so ein Tag. Aber leider hat der Zöllner keine Freunde. Kein Wunder. Genau genommen hat er seit Jahren die Leute über den Tisch gezogen, hat hier und dort mehr Geld aus der Tasche gezogen, als nötig gewesen wäre. Öffentlich zugeben würde er es nicht, aber es stimmt: Sein Herz wärmen kann man am Geld nicht. Wärmen könnte man sich an einem guten Wort, an einem liebevollen Blick.

Darum hockt er jetzt auch in diesem Baum, hoch über den Köpfen der Leute. Okay, ein bisschen lächerlich ist das Ganze schon. Doch es muss sein. Er hätte gern in der ersten Reihe gestanden, aber die da unten, die ließen ihm keine Chance, die drängten ihn ab. Tja, die Rache der kleinen Leute, die er nicht gut behandelt hatte. Doch er, Zachäus, will diesen Jesus auch sehen, wenn er vorbeikommt, diesen, diesen… ja, wer ist dieser eigentlich?! Und was will er?

Hoppla, das entwickelt sich ja prächtig: Ausgerechnet jetzt wird Jesus nämlich langsamer, sieht so aus, als will er gerade hier unter dem Baum stehen bleiben. Super, sehen ohne gesehen zu werden. Das ist sowieso das Beste.

Jesus sieht hoch. Warum auch immer! Den Zöllner trifft es wie ein Schlag. »Zachäus, komm da runter. Ich muss heute bei dir einkehren.« Er will zu mir! Der Zöllner ist selig: Er will wirklich zu mir! Jesus willkommen heißen und warm ums Herz werden, ist eins. Als die anderen das sehen, murren sie.»Bei einem Sünder kehrt er ein!«

Und Zachäus? Er wird ein Mensch. »Jesus, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.« Darauf Jesus zu ihm: »Heute ist deinem Haus Heil widerfahren.« – Und zu den anderen: »Er gehört auch zu Gottes Familie. Ich bin hier, um Menschen wie ihn, die mutterseelenallein sind, zu suchen und selig zu machen.«

Es gibt Tage, da will man alles anders machen, da will man ein Mensch werden. Und – es geht. Weil Jesus einen ansieht, liebevoll. Er sieht auch, dass da noch Veränderung möglich ist. Heute? In der neuen Woche? – Ich hoffe, auf Sie fällt er auch! Der liebevolle Blick von Jesus.

 

Audiobeitrag Alles anders machen


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