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Gespräch unter der Dusche
Ich stehe im Schwimmbad unter der Dusche. Neben mir eine Frau, vielleicht 50 und eine ältere Frau, vielleicht ihre Mutter. Sie reden über die Missbrauchsfälle.
Ach, die wollen sich doch nur alle wichtig tun, sagt die ältere von den beiden. Dass die sich erst 20 Jahre danach melden
Ja, es hat ihnen ja niemand geglaubt, sagt die jüngere verteidigend. Weißt du, sagt die ältere, das sind so Dinge die ich gar nicht hören will, nimmt ihr Duschzeug und geht. Die 50jährige guckt mich fassungslos an.
Genau so muss es gewesen sein, denk ich, damals vor 30, 40 Jahren. Als Frank, Rolf und Wolfgang - und wie die heute 50-Jährigen alle heißen - sich hilfesuchend an ihre Mutter, an ihren Schulleiter oder sonst einen Erwachsenen wandten. Als sie von ihrem Lehrer, ihrem Pfarrer oder Trainer befummelt oder zu irgendwelchen sexuellen Handlungen gezwungen wurden - und ihr Hilfeschrei nicht gehört wurde. Was nicht sein sollte, konnte auch nicht sein. Durch dieses Weghören wurde der Raum geschützt, in dem der Horror weitergehen konnte.
Gut, dass das Schweigen jetzt gebrochen wird. Für die Opfer wie für die Täter, die oft wenig Schuldbewusstsein zeigen, weil eine vermeidlich biedere Gesellschaft sie gedeckt hat.
Strafrechtlich mag sexueller Missbrach verjähren. Ungesühnte Schuld verjährt nicht.
Sprecherin: Christiane Birgden
Gespräch unter der Dusche
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