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Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (eg 108)
Autor: Ich freu mich so hart, platzte es aus der Kandidatin eines Gesangswettbewerbes heraus. Sie hatte gerade erfahren, dass sie eine Runde weitergekommen war.
Wie ein Gummiball hüpfte sie über die Bühne. Sie war so richtig in Fahrt jung, sympathisch. Ich freu mich so hart! Aber passt das zusammen: eine freudige Fahrt und harte Freude? In unserem heutigen Choral klingt es anders:
Musik 1 / 1. Strophe: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt / lasst uns zugleich fröhlich singen, / beid, groß und klein, von Herzen rein / Mit hellem Ton frei erklingen. / Das ewig Heil wird uns zuteil, / denn Jesus Christ erstanden ist, / welchs er lässt reichlich verkünden.
Sprecherin: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen. Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist, welchs er lässt reichlich verkünden.
Autor: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt. So freut sich der Dichter dieses Chorals aus dem 16. Jahrhundert: Georg Vetter. Er war Zeit seines Lebens auf großer Fahrt aber nicht immer freiwillig.
Georg Vetter war Lehrer und gehörte zu den Böhmischen Brüdern, einer evangelisch gesinnten Kirche in der Verfolgung. Schon mehrfach hatten sie ihre Häuser und Kirchen aufgeben und Dörfer und Städte verlassen müssen. Woanders hatten sie neu angefangen, ihrem Glauben aber waren sie treu geblieben. Irgendwann im Lauf ihrer wechselhaften Leidensgeschichte hatten sie sich der reformierten Lehre angenähert. Georg Vetter übersetzte darum den Genfer Psalter ins Tschechische. Denn das Singen stand bei den Böhmischen Brüdern hoch im Kurs. Singen das wussten sie stärkt den Glauben.
Musik 1/ Strophe 1: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt / lasst uns zugleich fröhlich singen, / beid, groß und klein, von Herzen rein / Mit hellem Ton frei erklingen. Musik ausblenden
Autor: Fröhliches Singen stärkt vor allem dann, wenn die Lebensfahrt eine gefährliche ist; wenn man Verfolgung und Unterdrückung erfährt. Dann freut man sich aber nicht hart, denn dann ist Freude etwas sehr Zerbrechliches, etwas Zartes, das behütet werden muss, doch diese Freude hat einen guten, einen ganz besonderen Grund:
Musik 1 / Strophe 1: Das ewig Heil wird uns zuteil, / denn Jesus Christ erstanden ist, / welchs er lässt reichlich verkünden.
Autor: Das ewig Heil wird uns zuteil, denn Jesus Christ erstanden ist. Es ist ein Osterlied, das Georg Vetter gedichtet hat. 1566 wurde es in das Gesangbuch der Böhmischen Brüder aufgenommen. In dem gleichen Jahr richtete ihr Ältestenrat eine Bittschrift an Kaiser Maximilian II., in dem sie ihn um Schutz vor Verfolgungen baten. Sie wollten frei und ohne Einschränkungen ihren Glauben leben und bekennen können. Eine solche Freiheitssehnsucht wird in unserem Lied dreimal ausgesprochen.
Sprecherin: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen, beid, groß und klein, von Herzen rein mit hellem Ton frei erklingen.
Musik 1 / Strophe 3: Singt Lob und Dank mit freiem Klang / Unserm Herrn zu allen Zeiten / und tut sein Ehr je mehr und mehr / Mit Wort und Tat weit ausbreiten; / so wird es uns aus Lieb und Gunst / nach unserm Tod, frei aller Not / zur ewigen Freud geleiten.
Sprecherin: Singt Lob und Dank mit freiem Klang unserm Herrn zu allen Zeiten und tut sein Ehr je mehr und mehr mit Wort und Tat weit ausbreiten; so wird er uns aus Lieb und Gunst nach unserm Tod, frei aller Not, zur ew'gen Freud geleiten.
Autor: Das also ist die Fahrt, die mit zarter, behutsamer Freude begleitet wird. Eine Fahrt in ein freies, neues Leben, das auch andere auf die Freiheit der Kinder Gottes neugierig macht. Und darüber hinaus nach unserem Tod werden die Freiheit und die Freude vollkommen sein. Die Osterbotschaft von der Auferstehung Jesu, welche die Freiheit von der Gewalt des Todes verkündet, muss sich aber auch in der Freiheit zeigen, mit der der Glaube und die Hoffnung bekannt werden dürfen. An Ostern wurde doch ein Sieg errungen. Ein Sieg über den Tod und alles, was böse ist, was uns angst macht und mit Gewalt und Zwang auftrumpft. Das diesjährige Osterfest liegt zwar schon drei Wochen zurück, aber die Freude darüber soll weiter gehen. Sie soll uns auf unserer Fahrt ein Leben lang tragen. Darum singen die Christen von Jesus:
Musik 1 / Strophe 2: Er ist der Erst, der stark und fest / all unsre Feind hat bezwungen / und durch den Tod als wahrer Gott / zum neuen Leben gedrungen, / auch seiner Schar verheißen klar / durch sein rein Wort, zur Himmelspfort / desgleichen Sieg zu erlangen.
Sprecherin: Er ist der Erst, der stark und fest all unsre Feind hat bezwungen und durch den Tod als wahrer Gott zum neuen Leben gedrungen, auch seiner Schar verheißen klar durch sein rein Wort, zur Himmelspfort desgleichen Sieg zu erlangen.
Autor: Für viele hat die Auferstehung Jesu schon längst nur noch eine symbolische Bedeutung. Für viele ist sie kein historisches Ereignis mehr, das zudem das persönliche Leben trägt.
Orgelimprovisation
Autor: Vielen ist der ursprüngliche Sinn von Ostern verloren gegangen. Vom Osterhasen weiß man Kindern eine Menge zu erzählen. Und Ostereier anmalen, sie verstecken und suchen, das hat auch den Erwachsenen sicher wieder großen Spaß gemacht. Und natürlich freut man sich darüber, dass nach einem langen und harten Winter die Natur wieder mit wärmenden Sonnenstrahlen, bunten Blumen und frischem, zartem Grün zu einem Spaziergang einlädt. Das Leben selbst ist für die meisten aber kein Spaziergang. Es ist eine entbehrungsreiche, anstrengende und oft auch gefahrvolle Wanderung. Und doch könnte unsere Lebensfahrt eine zarte, fröhliche Leichtigkeit bekommen.
Hanns Dieter Hüsch hat ein ganz neues Wort für das gefunden, was der alte Choral eine Fahrt nennt, die von zarter Freude und fröhlichem Singen begleitet wird. Statt von einer Fahrt durch das Leben spricht er von einem Spaziergang, von einem Weltspaziergang, zu dem wir durch die Auferstehung Jesu nicht nur an Ostern, sondern an jedem Tag, der noch kommt, ermutigt werden.
Orgelimprovisation
Sprecherin: Ostern ist nun vorbei Es geht mir besser Herr mein Gott. (
) Und Ostern meine Fröhlichkeit hast du gemacht Und Auferstehung ist geschehen In deinem Namen und für uns Damit wir mutig sind zum Weltspaziergang Und uns auf Erden wie im Himmel wiedersehen Durch dein Gesetz Durch deine Gnade und durch deine Liebe
Autor: Ein Weltspaziergang, da stelle ich mir vor, dass wir unsere Lebensfahrt mit hellwacher Gelassenheit antreten können. Das gefällt mir. Da werde ich bei dem Wort Weltspaziergang schon fröhlich und möchte ihn gerne antreten. Raus aus dem Dämmerzustand der Seele, möchte Abschied nehmen von der Lethargie, die mir einredet: Du richtest doch nichts aus, es ist alles zwecklos. Nichts ist vergeblich, nichts ist zu Ende, das fröhliche Leben fängt gerade erst an. Unsere Fahrt geht weiter. Mit Liebe zu Gott und den Menschen und dieser Erde.
Musik 1 / Strophe 1: Mit Freuden zart zu dieser Fahrt / lasst uns zugleich fröhlich singen, / beid, groß und klein, von Herzen rein / Mit hellem Ton frei erklingen. / Das ewig Heil wird uns zuteil, / denn Jesus Christ erstanden ist, / welchs er lässt reichlich verkünden.
Autor: Die Kraft der Auferstehung Jesu von den Toten trägt uns. Weltspaziergang man möchte hüpfen und springen über die Erde bis in den Himmel, wo der auferstandene Jesus schon wartet. Und irgendwie tanzt der alte Choral doch auch schon mit uns in den Himmel hinein, wenn er denn nur fröhlich genug gesungen wird:
Musik 1 / Strophe 3: Singt Lob und Dank mit freiem Klang / Unserm Herrn zu allen Zeiten / und tut sein Ehr je mehr und mehr / mit Wort und Tat weit ausbreiten; / so wird er uns aus Lieb und Gunst / nach unserm Tod, frei aller Not / zur ewigen Freude geleiten.
Musikinformation:
1) Windsbacher Knabenchor, Ltg. Karl-Friedrich Behringer Tonträgertitel Lobsingt ihr Völker alle Große deutsche Kirchenlieder und Choräle
2) Improvisation für Orgel Mit Freuden zart zu dieser Fahrt Solist: Albert Behrends, Orgel Tonträgertitel: Erschienen ist der herrlich Tag. Osterlieder zum Singen, Hören und Meditieren (Wilhelmshavener Vokalensemble)
Zitat: Hanns Dieter Hüsch, April, in: Hanns Dieter Hüsch/Uwe Seidel, Ich stehe unter Gottes Schutz, Düsseldorf, 4. Aufl. 1999.
Mit Freuden zart zu dieser Fahrt (eg 108)
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