Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.04.10; Daniel Schneider

Epheser 1,18

Heute Morgen möchte ich Sie mit einem Menschen bekannt machen, der vor langer Zeit lebte, aber trotzdem noch viel zu sagen hat.

Er heißt Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. In diesem Frühling jährt sich der 250. Todestag des Theologen und Kirchenliederdichters. Er hat als Adliger ganz bewusst den Kontakt zum normalen Bürgertum gesucht. Ganz schön unnormal für die damalige Zeit. Er wollte, dass jedermann und auch jede Frau die Chance hat, Gott besser kennen zu lernen. Mittel zum Zweck dazu waren für ihn volkstümliche Lieder. Spontan entstanden und trotzdem sprachlich brillant. Das musste sogar Goethe anerkennen. Die Lieder mit geistlichen Texten waren leicht zu singen und zu behalten. Zinzendorf hat über 2000 Lieder geschrieben. Die werden auch heute noch gesungen. „Herz und Herz vereint zusammen“ heißt so ein Lied zum Beispiel.

Des weiteren nutzte Zinzendorf natürlich auch die Bibel selbst: Er suchte Verse aus der Heiligen Schrift zum nachdenken im Alltag. Für jeden Tag ein paar Verse. Kurz und knapp zum weiterdenken. Auch diese Tradition hat sich gehalten. 1731 hat er das erste Losungsbuch herausgegeben. Diese Losungen sind mittlerweile bekannt auf der ganzen Welt. Und aus diesem Losungsbuch, also aus der aktuellen Ausgabe aus dem Jahre 2010 zitiere ich jetzt den Monatsspruch für den April aus dem Brief an die Epheser:

Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.

Erleuchtete Augen des Herzens; ich finde: Zinzendorf hatte sie. Ihm war die Gemeinschaft mit anderen Menschen wichtig, dadurch ist eine ganze Gemeinde entstanden. Ihm war die Gemeinschaft mit Gott wichtig. Zum Beispiel durch das Gebet. Er war begeistert von Gott und er wollte diese Begeisterung weitergegeben. Mit den Gaben, die er hatte. Einerseits künstlerisch anspruchsvoll, andererseits bodenständig einfach. Einladend. Eine faszinierende Kombination. Und das hat auch ziemlich gut funktioniert. Andererseits war auch ein Graf von Zinzendorf garantiert nicht fehlerfrei. 100 Prozent menschlich eben. Das hat ihm vielleicht manchmal ganz schön zu schaffen gemacht.

Und genau das gibt auch mir den Mut mal vorsichtig nachzufragen, wozu ich berufen bin. Mit meinen Gaben und Grenzen. Bei mir geht’s nicht über die musikalische Schiene und die Losungen sind ja auch schon erfunden. Aber vielleicht treffe ich heute einen Menschen, der sich einfach etwas von der Seele reden möchte, der mein aufmunterndes Wort braucht oder praktische Hilfe benötigt. Die sprichwörtliche gute Tat. Die dadurch zustande kommt, weil mein Herz angeleuchtet wird, weil ich Hoffnung habe und diese Hoffnung weitergeben möchte. Danke, Herr von Zinzendorf!

 

Audiobeitrag Epheser 1,18


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