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Vergebung vollenden
Guten Morgen, liebe Hörerin, lieber Hörer, Vergeben ist nicht leicht um Verzeihung bitten ist es aber auch nicht.
Aber vergeben können, ist die tiefgründigste und schönste Weise, sich als Mensch zu zeigen. Die Fähigkeit zu verzeihen ist immer dann gefragt, wenn eine Schuld nicht zu begleichen oder wiedergutzumachen ist.
Ob nach dem erlösenden Satz: Ja, ich verzeihe dir! die Vergebung auch aufrichtig und echt ist, dass kann nur der beurteilen, dem die Schuld verziehen wurde. Doch wie vollendet sich die Vergebung, so dass ein wirklicher Neuanfang miteinander gelebt wird?
Mir fallen dazu zwei Beispiele der Bibel ein. Das erste erzählt Jesus in seinem Gleichnis von dem Sohn, der alle Brücken hinter sich abreißt, die Familie verlässt und sein Erbe verprasst. Als er völlig am Ende ist, abgebrannt und unfähig wieder selbst Fuß zu fassen, da kehrt er um. Er kommt nach Hause und er weiß, dass er alle Rechte als Sohn verloren hat. Er gibt zu, dass er versagt hat und am Ende ist. Darum will er nur um eins bitten, dass er sich dort seinen Lebensunterhalt verdienen darf. Doch bevor er diese Bitte aussprechen kann, kommt ihm sein Vater zuvor und nimmt ihn wieder als Sohn auf. Er hat nicht aufgehört seinen Sohn zu lieben. Er gibt ihm ohne Vorbedingungen wieder den Platz, den sein Sohn aufgegeben hatte. Er legt ihm auch keine Bewährungszeit auf. Vergebung geht nicht unter Vorbehalt. Vergebung gibt es nicht halb, sondern nur ganz oder gar nicht.
Mit dem zweiten Beispiel geht Jesus selbst noch einen Schritt weiter. Er hat es mit seinen Jüngern nicht leicht gehabt. Zum Beispiel mit Petrus. Wir wissen, dass in entscheidender Stunde, als Jesus völlig schuldlos vor Gericht stand und man ihm den Prozess machte, um ihn töten zu können, Petrus dreimal gesagt hat: Ich kenne diesen Jesus gar nicht. Petrus verleugnete seinen Freund. Konnte das wieder gut werden? Wie konnte Petrus je wieder Jesus unter die Augen treten?
Nach dem Ostermoorgen kommt es zur Begegnung des auferstandenen Jesus mit seinen Jüngern. Bei einer dieser Begegnungen nimmt Jesus Petrus beiseite. Er fragt ihn: Sag mir, Petrus, hast du mich lieb? Dabei geht es nicht mehr um die Schuld, die spricht Jesus gar nicht an. Es geht ihm um die Beziehung. Hast du mich noch lieb? Das hat Petrus bei sich zu klären. Natürlich hat Petrus Jesus lieb, darum hat er ja auch vor Scham weinen müssen, als ihm seine Treulosigkeit bewusst geworden ist. Du weißt doch alles, Jesus, du weißt dass ich dich lieb habe, sagt Petrus. Dreimal fragt Jesus und dreimal antwortet Petrus. Und dabei wird ihm das Herz immer schwerer. Aber jedesmal gibt Jesus ihm zu verstehen, dass er mit Petrus noch etwas vorhat. Weide meine Schafe, oder: weide meine Lämmer. gibt er Petrus als Auftrag. Jesus rückt Petrus nicht an das Ende seiner Mitarbeiter, sondern er gibt ihm eine neue besondere Aufgabe. Er vertraut seinem schuldig gewordenen Jünger die Menschen an, die seine Gemeinde sein sollen. Er traut ihm zu, dieser Aufgabe gewachsen zu sein.
So vollendet sich Vergebung. Ich vertraue dem, der mir weh getan hat, der an mir schuldig geworden ist, wieder eine Aufgabe an. Wenn ich ihm durch mein Verzeihen wieder einen Platz bei mir gegeben habe, dann traue ich ihm zu, sich wieder mit seiner ganzen Person, die ich doch einmal geliebt, geachtet oder respektiert habe, einzubringen. Ich gebe ihm zu verstehen: Ich brauche dich mit deinen Gaben.
So wird Vergebung gelebt. Und nur der, dem Schuld verziehen wurde, kann am Ende bestätigen: Du hast mir wirklich vergeben.
Ich wünsche Ihnen, liebe Hörerin und lieber Hörer, dass sie nicht oft etwas verzeihen müssen oder um Verzeihung bitten müssen. Aber wenn es sein soll, dass Sie mit Gottes Hilfe die Kraft zu beidem aufbringen können.
Vergebung vollenden
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