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Verzicht auf Rache
Liebe Hörerin und lieber Hörer! Da sind zwei Angestellte in einer Firma. Sie haben beide erfahren müssen,
dass sie schon mehrfach über wichtige Entscheidungen ihrer Vorgesetzten nicht informiert waren. Beim Mittagessen verabreden sie sich, das gemeinsam bei der nächsten Teambesprechung zur Sprache zu bringen. Der eine von ihnen ergreift mutig das Wort, bringt die Beschwerde vor und muss erleben, wie der andere schweigt. Als er ihn anspricht, sag doch auch was! zuckt der nur mit der Schulter. Er will es sich mit seinen Vorgesetzten nicht verderben. Aber seinen Kollegen lässt er im Regen stehen. Zu Hause klagt dieser: Der hat mich im Stich gelassen, dieser Feigling. Ob ich den noch mal grüße, das muss ich mir noch scharf überlegen. Und heimlich überlegt er, wie er es seinem Kollegen heimzahlen kann. Immer tiefer gräbt sich das Verlangen nach Rache in ihm ein.
Kann man ihm das verdenken? Zumal sich zu der Erfahrung, verraten und im Stich gelassen zu werden, auch noch das Gefühl einstellt, ohnmächtig der Situation ausgeliefert zu sein. Täglich erfährt er auf's Neue, dass der, der sich so gemein verhalten hat, anscheinend ganz gut damit leben kann.
Tief innen spürt er, dass sich etwas bewegen muss, etwas muss geschehen. Was er jetzt am allerwenigsten gebrauchen kann ist, ist ein Satz wie: Der hatte doch auch was zu verlieren, versetze dich doch mal in ihn hinein. Vielleicht kannst du ihn verstehen und ihm dann auch einfach vergeben. Als ob vergeben so einfach wäre.
Vergeben ist nicht leicht, auch für einen Christen nicht. Auch wenn Jesus sagt, dass wir einander Schuld vergeben sollen, es gibt so vieles, was den Weg zur Vergebung versperrt. Z.B. die ohnmächtige Wut, das berechtigte Verlangen nach Genugtuung, der nur allzu verständliche Wunsch, es dem Feind heimzuzahlen. Es wäre fatal zu meinen, ein Christ müsse sich diese Gefühle versagen und diese Gedanken unterdrücken.
Die Menschen der Bibel zeigen uns da einen ganz anderen Weg auf. Da sagt z.B. einer: Schimpf und Schande über alle, die mir ans Leben wollen! Zurückweichen müssen sie und sich schämen, alle, die Böses gegen mich planen! Ohne Ursache haben sie mir Fallen gestellt, ein Loch gegraben und mit einem Netz verdeckt. Ganz unerwartet treffe sie das Unheil! Sie sollen sich in ihrem Netz verfangen und in die eigene Grube stürzen! (Psalm 35,4.7f)
Das ist aus einem Gebet, das man einen Rachepsalm nennt. Da schreit einer seine ganze Wut und Verzweiflung über das ihm zugefügte Unrecht heraus, und macht aus seinen Rachegedanken kein Hehl. Er fordert von Gott, sich seiner Sache anzunehmen, seinen Feinden entgegenzutreten und sie zu vernichten.
Ich selbst habe mich in den Worten dieses 35. Psalms auch schon wiedergefunden. Ich konnte meine eigenen Gefühle hinein binden und erleben, wie entlastend es ist, so mit Gott zu reden. Herr, sprich sie schuldig, die mich beschuldigen... Wichtig ist mir dabei geworden, das so ein Gebet zu Gott, er soll mir gegen die helfen, die mir das Unrecht angetan haben, zugleich ein Verzicht ist. Ich verzichte darauf, Rache zu nehmen, es den anderen selbst heimzuzahlen. Ich lege meinen Schmerz, meinen Hass und meine Hilflosigkeit vor Gott hin: Steh auf, greif ein, verschaffe mir Recht! So erkenne ich an, dass Gott alleine zuständig ist für Gerechtigkeit und Vergeltung. Ich überlasse mich darum ganz bewusst Gott. Ich stehe zu meinen Gefühlen, ich verdränge sie nicht. Das ist, so paradox es scheinen mag, ein erster vielleicht der wichtigste Schritt am Beginn des Weges, der zur Vergebung führt.
Aus dem 35. Psalm spricht am Ende eine Hoffnung: Der Herr ist groß, er sorgt dafür, dass sein Vertrauter in Glück und Frieden leben kann. Vor kurzem habe ich einen bemerkenswerten Satz gelesen. Er stammt von einer Frau, die in ihrem Leben schlimmsten Missbrauch erfahren hat. Sie sagt heute, nachdem sie durch den christlichen Glauben Hilfe erfahren hat:: »Die beste Rache ist glücklich zu werden. Ich hab noch Kraft genug, und ich habe Gott an meiner Seite.«
Verzicht auf Rache
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