Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.04.10, Pfarrer Martin Vogt

"Heldenkriterien"

Helden gibt es überall. Im Fußball, im Fernsehen, in Romanen. Auch im richtigen Leben und sogar in der Politik.

Immer wieder werden Menschen präsentiert, die etwas Besonderes vollbracht haben. Wie zum Beispiel Nelson Mandela. Der saß wegen seiner politischen Überzeugung 27 Jahre in Südafrika im Gefängnis. Aber nach seiner Freilassung wurde er Ministerpräsident und schaffte die Apartheid ab. Deshalb wird bis heute als Held gefeiert – und das weltweit.

Einen ähnlichen Status haben viele Menschen auch Barak Obama zuerkannt. Allerdings noch bevor er etwas Weltbewegendes erreicht hatte. Jetzt hat er Mühe, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen.

In dieser Hinsicht unterscheidet sich die Politik nicht von anderen Lebensbereichen. Überall gilt: Zum Helden wirst du nicht allein, weil du etwas Besonderes tust. Sondern vor allem dadurch, dass andere in dir einen Helden sehen. Natürlich kann sich diese Sichtweise auch wieder ändern. Dann ist man seinen Heldenstatus ganz schnell wieder los.

Aber was braucht ein Mensch eigentlich, damit er für uns ein Held ist? Muss man dazu gleich die ganze Welt verändern?

Es gibt schließlich auch andere Möglichkeiten. Zum Beispiel, dass man sich nicht bestechen lässt und nur die politischen Entscheidungen vertritt, die man auch für richtig hält. Oder dass man nach der Wahl dasselbe sagt wie vor der Wahl. Dass man einen Fehler nicht vertuscht, sondern ein misslungenes Konzept revidiert. Und dass man schließlich von seinem Posten nicht erst dann zurücktritt, wenn man gar keine andere Wahl mehr hat.

Politische Helden, die solchen Kriterien entsprechen, haben ein anderes Kaliber, als wir es üblicherweise erleben. Was nicht bedeutet, dass es solche Menschen nicht gibt. Aber in der Regel sehen wir sie nicht als Helden. Oft genug werden sie nicht einmal beachtet.

Vielleicht sollten wir deshalb bei der Auswahl unserer Helden mal ganz neue Wege gehen. So wie Jesus das in der Bergpredigt macht. Denn bei ihm werden nicht die Starken und Mächtigen herausgehoben. Sondern zum Beispiel die Friedfertigen, die Barmherzigen und die, die nach Gerechtigkeit streben.

Das passt natürlich nicht unbedingt zu dem, was wir normalerweise unter Helden verstehen. Aber es passt gut zu dem, was wir brauchen. Schließlich haben wir in unserem Land genug Menschen, die sich als Helden aufspielen - gerade jetzt im Wahlkampf. Menschen, die meinen, markige Worte zum Beispiel wären ein Zeichen von Stärke. Dabei sind markige Worte erst mal nichts anderes als Krach. Besonders dann, wenn sie nur die Erwartungen der eigenen Wähler bedienen sollen.

Menschen, die sich auf diese Weise profilieren wollen, helfen uns nicht weiter. Aber wenn wir genau hinschauen und hinhören, dann finden wir auch in der Politik Menschen, die keine aufgeblasenen Helden sind. Die tatsächlich friedfertiger sind als andere, die mit einem starken Gerechtigkeitsbewusstein ausgestattet sind oder mit Barmherzigkeit - gegenüber den Schwachen in der Gesellschaft ebenso wie gegenüber politischen Gegnern.

Mit solchen Menschen lässt sich dann auch was bewegen. Und wir bekommen Helden, die diese Bezeichnung tatsächlich verdienen. Weil sie nicht irgendeinem Klischee entsprechen. Sondern ihren Überzeugungen und ihrem Glauben.

Audiobeitrag "Heldenkriterien"


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen