| |
Namen im Himmel
Was war das aufregend. Die Geburt unseres ersten Kindes. Junge oder Mädchen? Die Vorsorgeärztin war überrascht, dass wir es nicht wissen wollten.
Für uns ist und bleibt eine Geburt ein wundervolles Geheimnis. Geheimnis, wer da eigentlich das Licht der Welt erblickt.
Als uns die Hebamme eine halbe Stunde nach der Geburt fragte, ob wir schon einen Namen wüssten, mussten wir gestehen, dass wir noch nicht einmal wussten, ob wir ein Mädchen oder einen Jungen bekommen hatten. Da gibt es so eine Stelle da kann man nachgucken. scherzte unsere Hebamme. Das war uns durchaus nicht fremd. Aber dieser Augenblick des neugeborenen Lebens war uns so heilig, dass wir uns noch gar nicht getraut hatten, unter die Decke zu gucken.
Was ging uns alles durch den Kopf: Jetzt beginnt ein neues Erden-Leben. Was wird dieses kleine Menschen-Kind alles erleben? Was werden wir ihm für Eltern sein können? Vor welche Herausforderungen wird es gestellt sein? Wer ist dieses kleine Persönchen eigentlich? Ja: Wer bist du?
Also gut, ein Mädchen war geboren. Doch wie sollte es heißen?
Mit vier Namensideen, zwei Jungen- und zwei Mädchennamen waren wir zur Geburt gekommen. Wir wollten uns erst nach der Geburt entscheiden. Wollten das Kind erst sehen. Und es wurde: Hannah.
Noch aus dem Geburtshaus rief ich meinen Freund an und erzählte ihm die frohe Botschaft. Hannah ist geboren! Da rief er über die Schulter zu seiner Frau mit seinem unnachahmlichen Humor: Du Hille, das Kind von Müllers ist da. Es ist ein Junge, und der heißt Gustav. Wusste doch, dass die son bekloppten Namen aussuchen würden. So ist er, mein Freund. Tja, ein Gustav hätte Hannah auch werden können. Dann wäre es aber ein ganz anderes Kind gewesen.
Ich glaube, der Name prägt einen Menschen. Nicht umsonst machen sich werdende Eltern viele Gedanken um den Namen. Soll es einer aus den Top-Ten der Vornamen sein Marie oder Maximilian oder ein ganz ausgefallener, den sonst keiner hat Xenia oder Kian. Manche Eltern setzen auf Tradition und vererben Namen der Großeltern weiter. Uns gefiel Hannah einfach. Sowohl der Klang als auch die Bedeutung: die Begnadete, die Anmutige. Und in der Bibel sind die Hannahs große Prophetinnen. Nicht schlecht.
Einen Namen zu geben, das Kind beim Namen zu nennen, ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Schließlich wird ein Mensch sein ganzes Leben mit diesem Namen genannt werden.
Wie empfindlich sind wir, wenn unser Name irgendwie nicht richtig ausgesprochen oder geschrieben wird. Mit H oder ohne. Stefan mit f oder ph? Und noch schlimmer: Gleich beim falschen Namen genannt zu werden: Statt Hannah: Gustav. Wir sind verletzt dabei sagt der Volksmund seit Goethes Faust Namen seien Schall und Rauch. Sind sie aber offensichtlich nicht. Denn mit unserem Namen verbindet sich unsere ganze Lebensgeschichte. Nicht umsonst meißeln wir am Ende des Lebens die Namen unserer Verstorbenen in Stein. Wollen sie nicht einfach ungehört verklingen lassen. Wollen ihnen einen unvergänglichen Ort schaffen.
Jesus sagt: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Da sind sie gut aufgehoben. Denn, da sind wir gut aufgehoben, weil Gott unsere Namen von Anfang an schon ins Buch des Lebens geschrieben hat, egal ob Junge oder Mädchen, egal ob uns unser Name gefällt oder nicht, egal ob den Namen viele haben oder nur wir allein. Gott kennt uns schon beim Namen, wenn die Eltern noch überlegen, denn er sagt: Fürchte dich nicht. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. Ich finde das tröstlich, auch für mein eigenes Leben.
Namen im Himmel
|