Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.04.10, Stefanie Schardien

Zukunftsvorhersage

Das erste, was ich sehe, ist ihr Goldzahn. Die junge Frau kommt irgendwo anders her. Braune Haut, lange schwarze Haare, ein langer bunter Rock.

Mitten im Gewühl der City hat sie sich mich ausgeguckt. „Haben Sie kurz Zeit?“ fragt sie. Nicht schon wieder Bettelei, denke ich. Aber sie will was anderes: Sie hätte eine „Mitteilung“ für mich. Ich gehe weiter, aber werde doch irgendwie ein bisschen langsamer. Sie geht mit. Ob sie mir die Zukunft aus den Augen lesen sollte? Sie hätte da etwas bei mir gesehen!

Ich weiß ja, dass so etwas einfach mit großer Wahrscheinlichkeit eine billige Masche ist, um dann doch wieder Geld zu kassieren. Aber trotzdem: So einen Moment lang ist mir schon unheimlich. Angenommen, sie sagt die Wahrheit und könnte mir echt die Zukunft vorhersagen – würde ich das denn wissen wollen? Reich, berühmt und Traumprinz, das würd ich wohl nehmen, aber es muss ja keine gute Botschaft sein, die da kommt. So was wie: „Sie werden sieben Jahre Pech haben.“ muss ich nicht hören.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, hat meine Oma immer gesagt. Ich glaube nicht daran, dass mein Leben schon jetzt so definitiv vorhersehbar sein soll.

Heute und hier kann ich mich so oder eben anders entscheiden. Nur eines, daran glaub ich, steht für meine Zukunft schon fest. Egal, was ich auf meinem Weg noch erlebe und was mir geschieht: Gott ist immer dabei.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Zukunftsvorhersage


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