Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

19.04.10, Pfarrer Jochen Müller

Nomen est omen - zum 450. Todestag Philipp Melanchthons

Da ruft meine Frau bei einem Versandhaus für Kinderbekleidung an und es meldet sich eine Jacqueline Mode – wir müssen schmunzeln.

Nomen est omen – sagt der Volksmund: Der Name sagt schon alles. Frau Mode arbeitet also im Modehaus.

Der Name ist Programm – so ist es auch bei einem Theologen, an dessen 450. Todestag wir heute erinnern: Philipp Melanchthon. Ursprünglich hieß der: Philipp Schwarzerdt. Doch sein Griechischlehrer war so von dem begabten Schüler begeistert, dass er ihm kurzerhand einen neuen Nachnamen gab. Er übersetzte Schwarzerdt wörtlich ins Griechische und nannte den Überflieger so „Melanchthon“. Schon mit 12 Jahren studierte Philipp in Heidelberg Griechisch, was auch für damalige Verhältnisse ungewöhnlich war. Im zarten Alter von 19 Jahren wurde Melanchthon auf den Lehrstuhl für Griechisch nach Wittenberg berufen. Er schrieb eine griechische Grammatik und diese wurde allein in den ersten 20 Jahren 19 mal verlegt. In seinen Vorlesungen saßen bis zu 400 Studenten gleichzeitig. „Lehrer Deutschlands“ wurde er ehrfurchtsvoll genannt. Nomen est omen.

Melanchthon – Schwarzerdt. Seine Lehren sind Schwarzbrot für die Kirchen bis heute.

Sprecher:„Zur wahren Einheit der Kirche ist es genug, dass man übereinstimme in der Lehre des Evangeliums und in der Verwaltung der Sakramente. Es ist nicht notwendig, dass die menschlichen Traditionen,, welche von Menschen eingeführt wurden, sich überall gleichen.“

schreibt er 1530 in der grundlegenden Bekenntnisschrift der evangelischen Kirche, der Confessio Augustana. Fragen, mit denen wir uns so gerne beschäftigen, wie die Frage, welche Kleider die richtigen sind, welche Musik gespielt werden soll und darf, wie die Kirchenräume auszusehen haben – das ist für ihn unerheblich und kein Kriterium für Kirche. Allein Evangelium, Taufe und Abendmahl. Schwarzbrot eben, bietet der „Lehrer Deutschlands“ seiner Kirche an und kämpft für die Einheit von Katholischen und Evangelischen.

Ihm verdanken Theologiestudenten, dass sie bis heute die drei alten Sprachen lernen müssen: Hebräisch, Griechisch und Latein, damit sie den Bibeltext in der Ursprache lesen können. Wenn es nach ihm ginge, hätte auch heute noch jeder Student seinen persönlichen Lehrer und Ansprechpartner im Studium.

Philipp Melanchthon war ein Reformer. Er hat an der Seite Martin Luthers entscheidend an der Reformation in Deutschland mitgewirkt. Er führte den Protest der Reformgläubigen 1529 auf dem Reichstag von Speyer an. Seitdem haben die Evangelischen einen neuen Namen: Protestanten, weil sie gegen die kaiserliche Politik protestierten. Nomen est omen. Auch hier ist der Name Programm. Protestanten, die nicht alles schlucken, die sich eine eigene Meinung und ein Urteil bilden, angehende Demokraten. Bereit zum Protest. Ob sein Griechischlehrer das ahnte, wer dieser zwölfjährige Philipp Schwarzerdt werden sollte, als er ihm den neuen Namen Melanchthon gab? Nomen est omen – sein Name war ein Vorzeichen für seinen späteren Werdegang. Schall und Rauch war er nicht. Wir könnten uns heute zu seinem 450. Todestag ein Beispiel an ihm nehmen und auch unserem Namen alle Ehre erweisen. Als Protestanten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Und bereit sein zum Protest, wenn es unser Glaube erfordert.

Audiobeitrag Nomen est omen - zum 450. Todestag Philipp Melanchthons


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