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Jesus lebt gute Gründe für den Osterglauben
Autor: Jesus lebt. Der gekreuzigte, der tote Christus: auferstanden in ein neues Leben. Das heißt: An Ostern ist der Tod unsterblich blamiert worden.
Darüber darf, darüber muss gelacht werden. Deswegen heute morgen, nach alter kirchlicher Tradition, zuerst ein Osterwitz:
Sprecherin: Nach Adenauers Tod kam es zu einer Debatte im Parlament, wo man ihn begraben solle. Vorschlag von den Regierungsbänken: Wegen seiner Verbundenheit mit Israel am besten in Jerusalem. Darauf stürmischer Protest bei der SPD: Da ist schon mal einer begraben worden und nach drei Tagen wieder auferstanden.
Autor: Das setzt immerhin voraus: Achtung, Vorsicht! Sie könnte wahr sein, die Geschichte von dem toten Jesus, der wieder da ist, auferstanden in ein neues Leben bei Gott. Ich bin Dietmar Silbersiepe, Evangelischer Pfarrer in Düsseldorf. Viele - auch in der Kirche - halten die Geschichte von Ostern für ein Märchen, einen Mythos aus alten Zeiten.
Aber wie sollten wir ohne Ostern an ein Leben nach dem Tod glauben können an ein Leben bei Gott, in dem es kein Leid, keine Tränen, keinen Tod mehr geben wird? Auferstehung aus dem Tod, neues Leben in Gottes ewigem Friedensreich! Wie bei Jesus, so auch bei uns, den sterblichen Menschen, ja, bei dem gesamten vergänglichen Kosmos, den Gott neu erschaffen wird! Das ist für mich die Botschaft von Ostern.
Kein Mensch wird bestreiten: Es ist nicht gerade leicht, daran zu glauben, dass ein Toter wieder lebendig wurde. Aber ich finde: Es gibt gute Gründe, die Geschichte für wahr zu halten! An der Frage, ob Jesus lebt, hängt alles, sagt der Apostel Paulus: Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist jede Predigt wertlos und der Glaube sinnlos.
Musik: Bugge Wesseltoft, Its snowing on my piano, Track 4, Deilig er jorden
Ostern ein Märchen aus alter Zeit? Dazu ein kurzer Blick ins Internet! Wenn Sie Osterfest als Suchbegriff eingeben, landen Sie ziemlich schnell auf einer Info-Seite für Reisende, die über Ostern bei uns in deutschen Landen Urlaub machen, german-easter-holiday.com. Da erfahren Sie über das Christliche Osterfest in Deutschland:
Sprecherin: Für die Christen ist die Auferstehung Jesu das zentrale Ereignis ihres Glaubens. Der Tod wird nicht als Ende, sondern als Neubeginn eines neuen Lebens gesehen. Damit soll im christlichen Osterfest bekundet werden, dass das Leben über den Tod siegen wird.
Autor: Wunderbar! Wenns denn so wäre, meint jedenfalls der Publizist Christian Nürnberger, der den Christen und der Kirche wenig Komplimente macht - in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung.
Sprecher: Manche Gemeinden entfachen in der Osternacht das Osterfeuer, und der Pfarrer sagt: Jesus lebt. Aber es scheint, als könne das Feuer dieses Satzes niemanden mehr entzünden. Wenn der Satz geglaubt würde, müssten den Christen eigentlich Flügel wachsen, die Gemeinden müssten vor Kraft strotzen, ihre begeisterten Mitglieder müssten an Ostern durch die Straßen rennen und jedem ins Ohr brüllen: »Gott lebt! Wirklich, er lebt!« Stattdessen stehen sie mit allen anderen im Stau auf der Autobahn.
Autor: Hoppla, das klingt böse. Ist Ostern, das Fest des Sieges über den Tod, zur Belanglosigkeit verkommen? In der Theologie und der Kirche selber, sagt Nürnberger, hat man die Botschaft von Ostern verwässert und verharmlost.
Sprecher: Die altmodische Frage nach der Wahrheit des Christentums wird weithin nicht mehr gestellt. Jesus lebt das ist heute keine Gewissheit mehr. Der Satz dient nur als gemeinsame Grundannahme, an die man besser nicht rührt, denn niemand könnte heute noch verbindlich sagen, was er eigentlich bedeutet.
Autor: Als eine der Ursachen nennt Nürnberger die historisch-kritische Bibelforschung. Keiner kann und will hinter sie zurück. Aber die moderne Bibelkritik ist auf dem Holzweg, wenn sie ignoriert, dass das moderne naturwissenschaftliche Weltbild längst in der Postmoderne angekommen ist.
Publizisten und Kulturkritiker wie Christian Nürnberger wundern sich, wenn Theologen heute immer noch die Auffassung vertreten, die Vorstellung von der Auferweckung des gekreuzigten Christus stamme aus der Zeit eines mythischen Denkens, das wir mit der Aufklärung hinter uns gelassen hätten.
Merkwürdig: Heutige Wissenschaftler wie der Physiker Markolf Niemz aus Heidelberg oder der australische Hirnforscher John Eccles beschäftigen sich mit der Frage nach dem Mysterium des Jenseits, aber christliche Theologen sagen: Das ist Märchenstoff aus alten Zeiten. Der Bibelforscher Gerd Lüdemann vor zwei Jahren in der Welt am Sonntag:
Sprecher: Menschen, die ihre fünf Sinne beieinanderhaben, führt die Einsicht in den (ältesten) christlichen Auferstehungsglauben unweigerlich zur Kritik an diesem Glauben. Denn Jesus wurde gar nicht von den Toten auferweckt, obwohl Christen es bekennen und die Kirche darauf gebaut ist. 2000 Jahre lang übte der Glaube an die leibliche Auferstehung Jesu eine ungeheure Wirkung aus. Sie erweist sich nun als eine Selbsttäuschung von welthistorischem Ausmaß.
Autor: Dem setzt der Physiologe und Hirnforscher John Eccles, der 1963 den Medizin-Nobelpreis verliehen bekam, kurz und knapp entgegen:
Sprecher:Das Geheimnis unserer Existenz ist größer, als wir uns je vorstellen können.
Autor: Viele moderne aufgeklärte kluge Menschen werden dem beipflichten, auch dem, was Physiker wie Markolf Niemz und andere als Wissenschaftlicher sagen und vertreten:
Sprecher: Das, was wir für Realität halten, ist nicht die ganze Wirklichkeit.
Musik: Peter Erskine, Sweet Soul, Track 3, Sweet Soul
Autor: Klug sind wir, wenn wir uns darauf verlassen, was uns der Verstand und unsere fünf Sinne sagen. Völlig klar! Aber sehr klug, die Leute mit Verstand, die sagen: Auszuschließen ist es nicht, dass es Gott gibt, und dass er Tote lebendig machen kann!
Sprecherin: Ein im Dorf bekannter Atheist kniet in der Kirchenbank. Der Nachbar spricht ihn an: Was machst du in der Kirche, ich denke, du glaubst nicht an Gott? Natürlich nicht, antwortet der Skeptiker, aber weiß ich, ob ich recht habe?
Autor: Der Verstand sagt mir: Es gibt nur das, was ich sehe. Aber der Verstand sagt mir auch: Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die ich mit meinen fünf Sinnen nicht erfassen kann.
Kein Mensch wird jemals Gott und die Auferweckung von den Toten beweisen können. Natürlich bleibt es dabei: Es geht nicht um Wissen, sondern um Glauben, durchaus auch um gute rationale Argumente, die uns den Glauben erleichtern können. Vor allem aber geht es an Ostern um die Frage, woran wir glauben. Was dürfen, was sollen wir glauben? Dass wir uns die Auferstehung Jesu und ein Leben nach dem Tod nur einreden? Alles nur ein frommes Märchen? Was bleibt dann übrig vom christlichen Glauben?
Musik: Peter Erskine, Sweet Soul, Track 3, Sweet Soul
Autor: Die Auferstehung Jesu eine Selbsttäuschung von welthistorischem Ausmaß? In der Bibel wird erzählt: drei Tage nach seinem Tod sei Jesus Maria Magdalena und einigen seiner Jünger, wie Petrus und Johannes, als Lebendiger erschienen: auferstanden aus dem Tod. Theologen, Historiker und Psychologen sind sich einig: Was hier beschrieben wird, sind Erfahrungen, die den Horizont des rational Erfassbaren weit übersteigen. Manche sagen: Es kann sich hier nur um so etwas wie Visionen handeln, die sich im Kopf der beteiligten Personen abgespielt haben. Aber wer sagt denn, dass Visionen Phantasien ohne Wahrheitsgehalt sind?
Joachim Kügler, Professor und Bibelforscher in Bamberg, erklärt:
Sprecher: Es geht - nach seinem Tod am Kreuz - um die Erfahrung der Lebendigkeit Jesu, eine visionäre Erfahrung, die das Erwartbare durchbricht. Alle visionären Erfahrungen auch in anderen Religionen erwachsen aus einem psychischen Extremzustand. Die entscheidende Frage lautet dann: Wie stehe ich dazu? Ist die Vision »nur« Ergebnis einer inneren Konfliktbearbeitung? Oder wird darin noch eine andere Wahrheit deutlich?
Autor: Wie stehe ich dazu? Will ich es glauben, dass Jesus lebt und mit ihm auch ich, wie Christian Fürchtegott Gellert in einem alten Osterlied gedichtet hat?
Sprecherin: Jesus lebt, mit ihm auch ich; Tod, wo sind nun deine Schrecken? Jesus lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht: Dies ist meine Zuversicht.
Autor: Will ich das glauben, glauben können? Oder mich mit weniger zufrieden geben? Mit dem Glauben etwa, dass Jesus nicht mehr war als ein guter Mensch? Jesus als menschliches Vorbild fürs Leben, aber kein göttlicher Trost fürs Sterben?
War er nur der Prophet und Lehrer aus Nazareth, dessen Denken und Handeln wir uns zum Vorbild nehmen sollten, oder war er doch mehr: Sohn Gottes und Messias, wie er in der Bibel genannt wird? Darüber streiten die Theologen. Einige sagen:
Sprecher: Das alles, was von Jesus behauptet wird, seine göttlichen Qualitäten, dass er der Sohn Gottes, der Messias, der Christus war, sein Opfertod für die Menschen, seine Auferstehung, seine Aufnahme in den Himmel - das alles hat man nachträglich aus Jesus gemacht, vor allem Paulus. Jesus selber wollte nie der Messias sein, und darum ist ers auch nicht. Er war einer der größten jüdischen Weisheitslehrer, nicht mehr und nicht weniger.
Autor: In diesem Sinne bedeutet Auferstehung dann für Theologen wie Klaus Peter Jörns Jesus erweist sich in den Jüngern und denen, die ihm folgen, bis heute als lebendig. Indem sie sich ihn zum Vorbild nehmen und das, was ihm wichtig war, fortsetzen. Das klingt gut, kann aber nur die halbe Wahrheit sein.
Musik: Peter Erskine, Sweet Soul, Track 3, Sweet Soul
Sprecherin: Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Autor: Das lässt sich ernsthaft nur sagen und bekennen, wenn ich in Jesus nicht nur einen vorbildhaften Menschen sehe, sondern den messianischen Sohn Gottes, der diesen gesamten Weg für mich gegangen ist. Damit ich glauben kann: So wie Gott mit Jesus war im Leiden und im Sterben, so wird er auch mit mir sein. Wie für Jesus auf Karfreitag Ostern folgte, so auch bei mir, bei uns. Wie Gott an Jesus festhielt, so auch an uns. Oder wie Paulus sagt: Christus, der Erstling, der Erstgeborene von den Toten, dem wir folgen werden. Alle Menschen sind sterblich, seid Adam, sagt Paulus. Durch die Verbindung mit Jesus bekommen sie das neue Leben.
Nein, Jesus lebt nicht nur in seinen Anhängern weiter. Jesus lebt, bei Gott im Himmel. So, nur so kann er, wie der Heidelberger Katechismus sagt, mein einziger Trost im Leben und im Sterben sein.
Nur so kann ich auch zu ihm beten, wie mit den folgenden Worten, mit denen ich mich von Ihnen verabschiede und Ihnen gesegnete Ostern wünsche ohne Stau und mit der frohen Gewissheit, dass Jesus lebt, Ihr Dietmar Silbersiepe von der Evangelischen Kirche in Düsseldorf:
Schönster Herr Jesu, Herrscher aller Herren, Gottes und Marien Sohn. Dich will ich lieben. Dich will ich ehren, meiner Seele Freud' und Kron´. Wenn ich am Ende sterbe, dass ich nicht verderbe, lass mich nicht verloren sein, wenn´s Herz wird brechen, dann lass es sprechen: Jesu Jesu Jesu mein.
Musik: Kirk Whalum, Hymns in the Garden, Track 8, Fairest Lord Jesus
Bugge Wesseltoft, Its snowing on my piano, Track 4, Deilig er jorden, ACT, LC 7644 Peter Erskine, Sweet Soul, Track 3, Sweet Soul, BMG, 1990, LC Kirk Whalum, Hymns in the Garden, Track 8, Fairest Lord Jesus, Warner Bros. Records, 2001
Jesus lebt gute Gründe für den Osterglauben
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