Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.04.10, Pfarrerin Silke Janssen

"Jesus lebt, mit ihm auch ich" (eg 115)

Choral 1. Strophe: Jesus lebt, mit ihm auch ich!Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken.

Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

Autorin: Mit eigenen Augen hatten sie gesehen, wie Jesus gestorben war. Römische Soldaten, Freunde und Verwandte hatten erlebt, wie Jesus am Kreuz noch einmal aufschrie und starb. Sein Leichnam wurde vom Kreuz genommen und in eine Höhle gelegt. Damit ihn keiner stehlen konnte, hatten die Soldaten einen riesigen Stein davor gerollt. Rund um die Uhr bewachten sie das Grab.

Aber drei Tage später war der Stein zurückgerollt, und das Grab war leer. Keiner wusste, wie das geschehen konnte, am wenigsten die Soldaten. „Jesus hat wahrgemacht, was er uns immer wieder erzählt hat. Er ist von den Toten auferstanden, er lebt“, riefen sich die Freunde voller Freude immer wieder zu. „Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“ Jesus lebt!

Choral 5. Strophe: Jesus lebt. Ich bin gewiss: Nichts soll mich von Jesus scheiden, / keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. / Seine Treue wanket nicht; / Dies ist meine Zuversicht.

Sprecher: Jesus lebt. Ich bin gewiss: Nichts soll mich von Jesus scheiden, keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden. Seine Treu wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

Autorin: Woran erkenne ich, dass ein Mensch lebt? Sie denken - na, das ist einfach zu beantworten. Ein anderer Mensch lebt, wenn ich ihm begegne, ihn sehe und ihn erlebe. Sein Herz schlägt, er atmet, wacht und schläft, nimmt Nahrung zu sich. Wenn er gesund ist, bewegt er sich, lacht und weint mit mir, agiert und reagiert, schaut mich an, unterhält sich mit mir. Er ist da - zum Greifen nah - zum Begreifen nah. So zumindest ist das mit einem ganz normalen Menschen wie Sie und ich. Aber ganz so einfach ist das nicht immer.

Vor fast einer Woche war Ostern Das höchste christliche Fest, an dem wir die Auferstehung Jesu feiern. Das heißt: Jesus ist von den Toten auferstanden und - er lebt. Auch unser Osterchoral „Jesus lebt, mit ihm auch ich“ singt davon: Jesus lebt. Auch heute noch.

Choral 1. Strophe: Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? / Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. / Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

Sprecher: Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.

Autorin: Ganz schön kompliziert. Jesus soll leben, aber ich sehe ihn nicht. Ich sehe ihn nicht gehen, nicht atmen, nicht sprechen, nicht essen und trinken. Ich kann ihn nicht anfassen und überhaupt nicht wahrnehmen wie einen anderen Menschen. Wie soll ich da an die Auferstehung glauben? Da kommen doch eher Zweifel auf. Und die, die Zweifel haben, befinden sich in guter Gesellschaft. Wie die biblische Geschichte des ungläubigen Thomas erzählt:

Sprecher: Der auferstandene Jesus hatte eines Tages seine Freunde besucht. Sein Freund Thomas war nicht dabei. Die anderen erzählten diesem aber ganz aufgeregt, dass sie Jesus gesehen hatten. Er entgegnete ihnen: „Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Wunde und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Acht Tage später waren die Freunde wieder versammelt, und diesmal war Thomas dabei. Jesus kam, trat in ihre Mitte und sagte: „Friede sei mit euch!“ Dann sagte er zu Thomas: „Streck deine Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ Thomas antwortete ihm: „Mein Herr und mein Gott!“ Jesus sagte zu ihm: „Weil Du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20,19-29)

Choral 3. Strophe: Jesus lebt! Wer nun verzagt, / lästert ihn und Gottes Ehre. / Gnade hat er zugesagt, / daß der Sünder sich bekehre. / Gott verstößt in Christus nicht; / dies ist meine Zuversicht.

Sprecher: Jesus lebt! Wer nun verzagt, lästert ihn und Gottes Ehre. Gnade hat er zugesagt, dass der Sünder sich bekehre. Gott verstößt in Christus nicht; dies ist meine Zuversicht.

Autorin: Dass Jesus auferstanden ist, dass er lebt, ja mit den Menschen zusammen lebt, war immer schon schwer zu verstehen. Selbst damals für Jesu Jünger. Wir brauchen Zeichen, eindeutige Beweise. Wir wollen ihn wahrhaftig sehen. Wie gerne würde auch ich ihm einmal leibhaftig sehen, ihm in die Augen schauen, ihm Fragen stellen und einmal von ihm in die Arme genommen werden. Wie ist es, ihn wie einen Freund um sich zu haben?

Es ist ein Geheimnis des Glaubens, ihn in meinem Leben wahrzunehmen. „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“, sagt Jesus. Beim Abendmahl z.B., wenn ich mit den anderen aus meiner Gemeinde Tischgemeinschaft habe. Oder wenn ich bete, Gott und Jesus von meinen Sorgen erzähle, dann glaube ich daran, dass ich nicht allein bin und meine Anliegen nicht in die Luft gepustet sind. Es ist auch eine Sache des Vertrauens zu Gott, dass er mich nicht alleine durch die Tiefen des Lebens gehen lässt. Gott hat das unrühmliche Ende seines Sohnes Jesus Christus am Kreuz nicht hingenommen. Gott hat ihn auferstehen und ewig leben lassen. Damit ist gleichzeitig die Geschichte Jesu mit uns Menschen nicht am Kreuz zu Ende. Mit seinem Tod ist Jesus nicht verschwunden und hat uns nicht allein zurückgelassen. Sondern er erfüllt sein Versprechen, das er seinen Freunden einst gegeben hat:

Sprecher: „Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20)

Choral 2. Strophe: Jesus lebt! Ihm ist das Reich über alle Welt gegeben; / mit ihm werd auch ich zugleich ewig herrschen, ewig leben. / Gott erfüllt, was er verspricht, dies ist meine Zuversicht.

Autorin: Jesus lebt und ihm ist das Reich über alle Welt gegeben, dichtet Christian Fürchtegott Gellert. Dabei handelt es sich um eine geistliche Macht. Der Liederdichter erinnert da an eine Aussage Jesu, nachdem er auferstanden war: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ (Matthäus 28,18). Jesus hat den Tod überwunden, hat damit die Macht des Todes gebrochen, die Macht der Dunkelheit und des Schreckens. Ohne Ostern wären die Menschen gefangen im irdischen Leben. Doch durch die Auferweckung Jesu werden sie hineingenommen in eine Dimension, die das Irdische übersteigt. Das galt nicht nur damals für die Jünger Jesu. Das gilt auch heute für uns. Wer gläubig spricht: Herr, Herr meine Zuversicht, hat nach der Gegenwart auf dieser Erde noch eine Zukunft. Voller Trost und Hoffnung.

Choral 6. Strophe: Jesus lebt, nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. / Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, / wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht.

Sprecher: Jesus lebt, nun ist der Tod mir der Eingang in das Leben. Welchen Trost in Todesnot wird er meiner Seele geben, wenn sie gläubig zu ihm spricht: Herr, Herr, meine Zuversicht.

Choral 1. Strophe: Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? / Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. / Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.


Musikinformation:

CD-Titel:   
„Erschienen ist der herrlich Tag, Osterlieder“
Titel: „Jesus lebt, mit ihm auch ich“
CD-Verlag und Ort:  Edition Chrismon

Text von Dichter:  Christian Fürchtegott Gellert
Komponist:   unbekannt
Interpret:  Wilhelmshavener Vokalensemble
unter der Leitung von:  Ralf Popken

Audiobeitrag "Jesus lebt, mit ihm auch ich" (eg 115)


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