Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.04.10, Diakonin Regine Buschmann

"Wegbegleiter" - Der Ort in den Wolken

Guten Morgen, liebe Hörerin und Hörer! Die Usambara Berge in Tansania. Dort liegt ein psychiatrisches Krankenhaus hoch oben auf einem Bergrücken.

Es trägt einen einheimischen Namen: Lutindi – auf Deutsch „ der Ort in den Wolken“. Über 120 Jahre alt ist die Einrichtung. Und ich kann mir gut vorstellen, wie mühsam es in der Vergangenheit war, ohne Autos diesen Berg zu erklimmen und die Patienten dort oben zu versorgen. Missionare aus Bethel hatten ihn als Standort für ihre Arbeit gewählt, weil es damals so hoch in den Bergen keine Malariaerkrankungen gab.

Das Hospital zieht sich lang gestreckt über den Bergrücken, Gebäude schmiegt sich an Gebäude. Patienten und Mitarbeiterinnen begegnen mir und grüßen freundlich auf Suaheli. Jambo dada – guten Morgen Schwester. Viele kennen mich von meinen Besuchen in der Einrichtung. Hier und da halte ich ein Schwätzchen und erkundige mich wie es geht.

Vorbei an Küche, Schlafsälen, Werkstattgebäuden und der Landwirtschaft verlasse ich das Hospitalsgelände und komme in ein Stück Regenwald. Ein dichtes Dach aus grünen Blättern von riesigen Urwaldbäumen schließt sich über meinem Kopf.

Nach kurzer Suche finde ich den Trampelpfad, der steil hinaufführt auf den Hausberg Masusu.

Etwas außer Atem stehe ich nach einer kurzen Wanderung auf dem Gipfel. Ein phantastischer Ausblick bietet sich mir. Direkt vor meinen Füßen geht es hinter der Felskante knappe 1.000m in die Tiefe. Dahinter breitet sich das Tiefland aus. Ich habe einen Tag mit guten Wetter und einer traumhaften Fernsicht erwischt. Der Himmel ist fast wolkenlos in einer tiefblauen Farbe, nur am Horizont sind kleine weiße Wölkchen zu entdecken. Der Berghang ist grün, es ist eine fruchtbare Gegend. Fast immer reift eine Frucht oder ein Gemüse, das ganze Jahr ist Erntezeit. Die ganze Schönheit der Schöpfung scheint mir zu Füßen zu liegen. Ich setze mich auf die hier bereitstehende Bank und in die Mitte meines Blickfeldes schiebt sich ein riesiges, weiß angestrichenes Holzkreuz. Wenn man weiß, wo man es zu suchen hat, dann kann man es an klaren Tagen schon aus der Ebene sehen.

Ich glaube, dass der Mensch, der es hier aufgestellt hat, diesen Ort mit den gleichen Gefühlen besucht hat wie ich. Zur Ruhe kommen. Die Gedanken sortieren. Die Schönheit und Größe der Schöpfung erfahren. Kraft schöpfen. Mich Gott nahe fühlen auf diesem Berg. Seine Begleitung auf meinem Lebensweg erfahren.

Es ist ein fast österliches Erleben. Die Probleme der Welt und meines eigenen Lebens scheinen zu schrumpfen angesichts der Greifbarkeit Gottes. Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf das Kreuz und den grandiosen Ausblick dahinter und ich merke, wie eine große Gelassenheit mich überkommt. Für mich ist der Masusu Berg in Lutindi ein ganz wichtiger und besonderer Ort in meinem Leben geworden.

Solche Orte der geistlichen Erfahrungen wünsche ich Ihnen am Ende der Osterwoche. Man muss dafür gar nicht bis nach Afrika reisen, man kann sie auch in der eigenen näheren Umgebung finden. Aber wir brauchen sie, um neue mutige Gedanken zur Bewältigung unseres Alltags zu finden und ihnen Raum zur Entfaltung zu geben.

Audiobeitrag "Wegbegleiter" - Der Ort in den Wolken


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