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"Wegbegleiter" - Julie
Guten Morgen, liebe Hörerin und Hörer!Julie lebt am Rande der Stadt Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo in einer armseligen Behausung.
Im letzten August lerne ich sie kennen.
Julie ist eigentlich Bäuerin und bewirtschaftet mit ihrer Familie einen kleinen Bauernhof etwa 100km von Goma entfernt. Ihr Heimatdorf liegt aber mitten im Rebellengebiet. Seit mehr als drei Jahren herrscht dort Bürgerkrieg. Rebellen, Milizen und Regierungstruppen liefern sich erbitterte Kämpfe. Es geht um Herrschaft, um wertvolle Rohstoffe, um Macht und Geld. Es geht nicht um die Menschen, die in den Dörfern ihr einfaches Leben fristen.
Julie lebt mit ihrem Mann und fünf Kindern in einer selbst gebauten Behausung in einem illegalen Flüchtlingslager. Ich mag die Unterkunft noch nicht einmal Zelt nennen. Bambusstangen sind in den Boden gerammt, in der Mitte zum Bogen zusammengebunden. Leere Zuckersäcke und eine große Plastikplane bilden das Dach. Vielleicht zwei mal drei Meter groß ist der Raum.. Sieben Menschen leben hier.
Ungefähr 5.000 Menschen leben in dem Lager, das die UNO nicht anerkennt und daher auch nicht mit versorgt. Ihre eigenen Lager sind voll sagen sie. Aber irgendwo müssen die Flüchtlinge doch hin. Das selbst organisierte Lager wächst.
Die baptistische Kirche, die ich besuche, bezahlt gerade für den Bau von dringend benötigten Toiletten. Es ist unwahrscheinlich schwere Arbeit in den harten Lava Boden Löcher dafür zu graben. Ein Gerüst aus Bambusstangen und Plastikplanen erlaubt etwas Privatsphäre. Wasser wird aus dem nahe gelegenen Kivu See herauf gepumpt ins Lager. Das hilft ein wenig bei der täglichen Versorgung.
Julie erzählt: sieben Mal wurde sie von Milizionären vergewaltigt. Mehrmals wurde ihre Ernte vernichtet. Die Familie überfallen, alles Brauchbare aus dem Haus gestohlen. Die älteste Tochter wurde ermordet, der älteste Sohn von den Rebellen verschleppt. Die Familie entschloss sich zur Flucht aus dem Rebellengebiet. Irgendwie kommen sie über die Runden im Lager. Irgendjemand gibt ihnen immer mal etwas zu Essen, etwas Geld. Aber die verbliebenen Kinder gehen nicht in die Schule, sie verpassen ihre Kindheit. Und das Land wird nicht bestellt. Was finden sie vor, wenn sie wirklich eines Tages zurückkehren können?
Besuche geben ihnen ein wenig Hoffnung, dass sie nicht ganz vergessen sind von der Welt. Ein gemeinsames Gebet gibt Kraft für den nächsten Tag. Ich habe großen Respekt vor Julie für das, was sie täglich durchstehen muss. Dennoch bleibt mir noch ganz lange das Gefühl, dass ich nicht viel habe helfen können.
Wenn die Christenheit diesseits und jenseits des Meeres sich besinnen wollte, wie unermesslich viel sie zu tun hat, um das Elend zu lindern, die Versinkenden zu retten, den Heimatlosen eine Heimat zu schaffen und das Licht des Evangeliums in die dunkelsten Winkel scheinen zu lassen, wir hätten wahrhaftig keine Zeit uns zu zanken um irdische Dinge. Diese Worte Friedrich von Bodelschwinghs sind heute aktueller denn je.
"Wegbegleiter" - Julie
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