Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.04.10, Pfarrerin Petra Schulze

Mit Träumen auf(er)stehen

Es gibt kraftvolle, wegweisende Träume, die man nie vergisst. Manche liegen viele Jahre zurück in der Kindheit. Leos Traum zum Beispiel.

Der heute Mitte Dreißig-Jährige erinnert sich noch genau:

Als er Kind war, starb seine Lieblingsoma. Nun war er böse auf sie, weil sie ihn verlassen hatte und böse auf Gott, der sie - so sagte man ihm – „zu sich genommen hatte“. Das durfte ja aber nicht sein – eigentlich hatte er die Oma lieb gehabt und nun war er böse auf sie. Na und böse auf Gott sein, das kam ja sowieso nicht in Frage. Doch die bösen Gedanken wurde er nicht los. Sie verfolgten ihn nachts in seinen Träumen. Immer wieder träumte er, wie er mühsam versuchte, die schlimmen Gedanken von innen aus seinem Kopf heraus zu schieben. Doch kaum waren sie  halb heraus, da tauchte eine Legion von Römern auf – wie bei Asterix und Obelix. Und mit aller Kraft drückte dieser Legionärshaufen die Gedanken wieder in seinen Kopf hinein. Er  wurde sie einfach nicht los. Weinend erzählte er davon den Eltern. Die versuchten ihn zu beruhigen, es half nicht. Er fühlte sich schuldig, weil die bösen Gedanken ein Teil von ihm blieben. Irgendwann bekam er von einem anderen Erwachsenen, dem er den Traum erzählte, den Tipp: „Lass die Gedanken einfach wo sie sind. Schenke ihnen nur nicht so viel Aufmerksamkeit. Lass sie einfach.“ Und siehe da: Das half. Die Gedanken durften sein und damit die Wut und die Trauer  - und der Alptraum verschwand.

Nicht immer verstehen wir die Botschaft unserer Träume sofort. Manche drücken uns noch lange nieder, bis wir ihren Sinn erkennen. Durch andere wächst uns über Nacht neue Kraft zu, sie sind wie sprudelnde Quellen in dürren Zeiten. Träume sind Geschenke unseres Unbewussten. Poesie der Seele. Es gibt verschiedene Ansätze, wie man Träume deuten kann.

Da schleichen sich zum Beispiel ganz nebensächliche, unbeachtete Schauplätze und Ereignisse des zurückliegenden Tages in den Traum, die einfach noch mal das Gehirn durchstreifen, um sich dann in Luft aufzulösen. Alte Ängste und unerfüllte Wünsche tauchen auf. Manchmal sind es auch traumatische Erlebnisse, die man in Träumen immer wieder durchlebt, so dass die Betroffenen Angst vor der Nachtruhe haben – diese Träume können zeigen, wie tief verletzt die Seele noch immer ist und sich ängstigt – und dass sie Hilfe braucht.  Manchmal  findet man im Schlaf eine ganz einfache Lösung für ein schwieriges Problem. Oder man träumt etwas ganz Überraschendes, in  die Zukunft weisendes. Das kann oft erschrecken. Manche Träume wiederholen sich. In der Bibel ist das Träumen sogar eine Art, wie ich Gott begegnen kann. Da erscheint dem Apostel Paulus Gott im Traum und sagt:

 „Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir, und niemand soll sich unterstehen, dir zu schaden.“ (Apostelgeschichte 18,9b.10a)

Paulus musste sich im Alltag viel Spott für seinen Glauben an Jesus Christus anhören und wurde angegriffen. Der Traum hat ihn gestärkt, weiter mutig öffentlich aufzutreten und von dem zu sprechen, was ihm wichtig war.

Träume. Poesie der Seele. Göttliche Geschenke an uns, die zum Teilen und Deuten  anregen. Doch bei allen Deutungsansätzen: Am Ende kann nur ich selbst wissen, welche Botschaft ein Traum tatsächlich an mich hat. Die raus zu finden lohnt sich.  Ich wünsche kraftvolle Träume!

 

Audiobeitrag Mit Träumen auf(er)stehen


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