Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.04.10, Pfarrerin Petra Schulze

Aufstehen nach verlorener Liebe

Autorin: Als sie nach Hause kommt, ist er weg. Taucht nie wieder auf. Sie haben eine Tochter zusammen. Sie ist das einzige, was ihr von ihm geblieben ist.

Verwinden kann sie das nicht. Sie heißt Maggie, ist Polizeikommissarin und verfällt dem Alkohol.

Auch Maria ist verzweifelt. Auch sie hat ihren Freund verloren. Man hat ihn zu Tode gefoltert. Reiche Freunde haben seinen Leichnam in ein Felsengrab gelegt. Doch als Maria zum Grab kommt, ist der Leichnam verschwunden. Das Unfassbare bringt sie fast um den Verstand.

Maria ist die Freundin Jesu. Maggie ist eine Figur aus dem Kinofilm „This is love“, „Das ist Liebe“. Sie – die verlassene Kommissarin – begegnet Chris, der sich seine Neigung eingestehen muss, dass er sich in Kinder verliebt. Weil er diesem Wunsch auf keinen Fall nachgeben will, muss er damit leben, dass er seine Liebe niemals wird leben können. Die beiden einsamen Menschen treffen im Verhörraum aufeinander. Für Regisseur Matthias Glasner ein spannender Moment: 

1. O-Ton: Ich glaube, dass Menschen sich begegnen können und sich sofort erkennen können, weil sie vielleicht einen gemeinsamen Schmerz teilen und dadurch auch ein gemeinsames Verständnis füreinander ….  Und in dem Film ist es genauso - diese beiden Menschen, die sich total in sich zurückgezogen haben, haben in diesem seltsamen Verhörraum die Gelegenheit, plötzlich sich zu erkennen, sich zu öffnen und sich gegenseitig zu helfen.

Autorin: Der Regisseur kennt den Schmerz der verlorenen Liebe auch persönlich. Seine Erkenntnis ist, dass Liebe manchmal auch eine falsch verstandene, ungesunde sein kann:

2. O-Ton: Wie viele Liebesgeschichten sind Folter, weil sie eigentlich nur darin bestehen, dass wir ständig darum kämpfen, Liebe wiederzukriegen, zurückzukriegen, wir dann selber Liebe nicht mehr geben können, weil wir so verletzt sind …

Autorin: Am Ende solcher Liebesbeziehungen steht dann nach vielen Verletzungen oft die Trennung. Dann aber wird’s noch schlimmer, denn jetzt kriegt man gar nichts mehr zurück, doch …

3. O-Ton: Die Liebe hört aber nicht einfach so auf, die Sehnsucht hört nicht einfach so auf, jetzt wird die Sehnsucht plötzlich gar nicht mehr erfüllt. Wir füllen sie dann mit allen möglichen Hoffnungen, da wird auch das Thema Hoffnung plötzlich dann ganz schwierig … Hoffnung kann uns ganz stark festhalten an etwas Vergangenem, weil wir hoffen, dass etwas zurückkommt. 

Autorin: So geht es vielen. Der Kommissarin Maggie, aber auch Maria von Magdala, die hofft, dass ihr Liebster wiederkommt. Als sie den auferstandenen Jesus vor dem Grab erkennt, will sie ihn festhalten. Doch er sagt: Fass mich nicht an. Sie soll ihn loslassen. Er schickt sie in ihr Leben, das sie nun ohne den Geliebten an der Seite gestalten muss. Dieses Loslassen ist schwer, weiß auch Matthias Glasner. Besser wurde es, als er nach fünf Jahren Trennungsleid dachte: 

4. O-Ton: Ich werde meine erste Liebe immer lieben, ich gebe es auf, jemand anders zu finden. Ich werd damit leben und mal gucken, was kommt, - hat mir ne gewisse Gelassenheit  gegeben. Kurz danach kam ein neuer Mensch. Also, diese Gelassenheit, dass man sich nicht einbildet, dass man die alte Liebe ganz los wird und nicht mehr vermisst, sondern dass man damit leben wird und leben kann, das fand ich ´ne ganz schöne Erkenntnis, ja.

 

Audiobeitrag Aufstehen nach verlorener Liebe


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