Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.04.10, Stephan Kiepe-Fahrenholz

Sommerzeit

Genau heute vor dreißig Jahren, am 6. April 1980, wurde in Deutschland die Mittel-europäische Sommerzeit eingeführt.

Hauptgrund damals: Nach den beiden großen Ölkrisen 1973 und 1979 wollte man Energie sparen: Die Uhren eine Stunde vorstellen – dann ist es abends sozusagen „länger hell“, das Tageslicht wird besser ausgenutzt für Arbeiten, Einkaufen, Freizeit.

Dass das eigentlich eine Illusion ist, liegt auf der Hand. Statt die Uhren umzustellen, könnte man  auch einfach alles  um eine Stunde vorverlegen. Also: Schulbeginn um 7.00 Uhr, Anstoß im Stadion um 14.30 Uhr, Tagesschau um 19.00 Uhr.

Aber nun ist es seit dreißig Jahren eben andersrum. Seitdem haben wir alle mehr Zeit. Oder?

In den biblischen Psalmen hat einer gesagt: Meine Zeit steht in Gottes Händen. Dahinter steckt die Einsicht, dass „Zeit“ noch was anderes ist als das, was ich mes-sen oder regeln kann. Ob ich meine Zeit sinnvoll nutze oder bloß totschlage, hängt am allerwenigsten davon ab, ob’s hell oder dunkel ist. Und dass ich meine Zeit nicht bloß als großes schwarzes Loch, sondern als erfüllte Zeit erlebe, die so kostbar ist, dass ich am liebsten keine Sekunde davon hergeben würde – das kann ich meistens noch nicht mal selbst herbeiführen. Aber ich kann es mir schenken lassen.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Sommerzeit


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