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Reichtum trotzt Armut (Lukas 15, 11-24)
Das Entree atmet toskanischen Stil. An der Decke funkeln Kronleuchter. Edle Strukturtapete und barocke Goldrahmen zieren die Wände.
Der Schritt federt auf dunklem Holzparkett im Fischgrätmuster. Gold und königliche Farben verleihen dem Treppenhaus seine Pracht. Moderne Ledersessel laden ein, es sich gemütlich zu machen.
Wir befinden uns in Haus Schöneweide in Berlin. Es nennt sich das schönste Obdachlosenheim der Welt. Mit möglichst einfachen Materialien und künstlerischen Mitteln hat die Künstlerin Miriam Kilali das Haus mit Hilfe einiger Geldgeber und der Bewohner selbst renoviert. Es ist ein Schmuckstück geworden. In Haus Schöneweide finden Menschen Aufnahme, die den Kampf ums tägliche Überleben verloren haben. Irgendwann sind sie in den Strudel aus Arbeitslosigkeit, familiären Problemen, Schulden und Sucht geraten und darin untergegangen.
Wie schafft ein Mensch es, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien? Die Künstlerin schreibt:
Sprecherin: Jeder kennt die Erfahrung, wie wohltuend schöne Orte auf einen wirken und wie viel Energie sie spenden. Gerade jenen Menschen, die scheinbar alles in ihrem Leben verloren haben, ist diese Arbeit gewidmet. Eine Anlaufstelle und einen Zufluchtsort zu schaffen, der Obdachlosen ein Gefühl von Würde und Respekt vermittelt und ihnen die Beklemmung von Armut nimmt, war erklärtes Ziel.
Miriam Kilalis Idee überrascht. Ja, sie provoziert vielleicht sogar. Vor allem macht sie mich nachdenklich: Wie oft passiert genau das Gegenteil. Menschen, die mit wenig auskommen müssen, nicht nur Obdachlosen, wird das Gefühl vermittelt, Bettler zu sein. Viele Familien halten mit unglaublich viel Mühe und Fantasie ihre Würde aufrecht. Doch oft haben sie den Eindruck, ihre Armut würde bestraft. Wie beklemmend ist es, sich in die Schlange vor der Lebensmittelausgabestelle einzureihen. Z.B. bei der Tafel, wo Lebensmittel angeboten werden, die nicht mehr zu verkaufen sind.
Wie beklemmend, dann auch noch den Nachweis der Bedürftigkeit vorzeigen zu müssen. Wie beklemmend im Sozialkaufhaus nach einem gebrauchten Tornister für die Tochter und nach gebrauchten Schuhen für den Sohn zu suchen. So notwendig, weil Not lindernd, diese Einrichtungen auch sein mögen. Sie sind unübersehbare Zeichen für die Spaltung unserer Gesellschaft. Und das Schlimme: Je mehr sie zur Normalität werden, desto mehr gewöhnen sie uns an diese Spaltung. Mir gefällt Miriam Kilalis Vorstoß darum, gerade weil er so ungewöhnlich ist.
Genauso wie folgende Geschichte, die Jesus einmal erzählt hat: Ein Sohn lässt sich vom Vater vorzeitig sein Erbe auszahlen und geht außer Landes. Dort stürzt er vollkommen ab. Er verdingt sich bei einem reichen Herrn. Der schickt ihn in sein Saugehege, wo er mit den Schweinen um ihren Fraß konkurriert. So am Ende, fasst der Verlorene sich ein Herz und kehrt zu seinem Elternhaus zurück. Er hofft, Tagelöhner seines Vaters werden zu dürfen. Ganz klein macht er sich, als er zurückkehrt: Ich bin nicht wert, dass ich weiter dein Sohn heiße. Der aber will nichts davon wissen.
Im Gegenteil: Er läuft dem verlorenen Sohn entgegen und schließt ihn in die Arme und ruft: Schnell, bringt das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an die Hand und Schuhe an die Füße und schlachtet das gemästete Kalb und lasst uns essen und fröhlich sein.
Das ist für mich das Besondere an Jesus: Dass er den Verlorenen ihre Würde zurückgibt. Und dass bei ihm keiner betteln muss.
Reichtum trotzt Armut (Lukas 15, 11-24)
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