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Komm raus
Stellen Sie sich vor, Sie können mal wieder nicht einschlafen. Sie wälzen sich herum und starren auf die Zahlenspiele Ihres Radioweckers. Und plötzlich hören Sie Gott rufen:
Komm raus! Steh auf. Die Zukunft wartet. Und Sie wissen im selben Moment: Mensch, das ist Gott, der da ruft. Da gibt´s keinen Zweifel. Was wäre Ihr erster Gedanke?
Das neue Auto. Ich hab zu viele Schulden. Schufa. Keine Experimente bitte! Ich bin zu alt für einen Neuanfang. Keine Zeit, gerade heute nicht. Schade. Die Kinder sind noch zu klein, und Oma Friedchen braucht meine Hilfe. Außerdem: So schlecht ist mein Arbeitsplatz eigentlich gar nicht. Das ist doch nicht Dein Ernst?! Gott. Erst kann ich nicht einschlafen, jetzt auch noch Du! Ich brauch irgendeine Sicherheit. Niemand steht einfach auf und geht!
Und Gott ruft und ruft: Komm raus, komm! Leben ist mehr, als was du bisher erlebt hast. Leben ist mehr als materielle Sicherheit und Erfolg. Leben ist mehr als Arbeit, sogar mehr als Familie und Vertrautheit. Komm heraus! Mach Dich auf den Weg.
Und Abram ging. Vor 3000 Jahren war das. Der alte Mann verließ seine Heimat, seine vertraute Umgebung, seine materiellen Sicherheiten und nahm Abschied. Er verließ viel. Er verließ sich auf Gott. Keine Anlagen oder Sparbücher, keine Aktien oder Rentenfonds seine einzige Sicherheit war die Zusage Gottes: Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein! Die Stelle im AltenTestament gehört zu den Schlüsselworten der Geschichte Gottes mit den Menschen. Segen ist etwas, was wir weder erarbeiten noch kaufen können; was wir aber gleichwohl zum Leben brauchen. Es kann einem nur zugesagt werden.
Ich will dich segnen! sagt Gott, und das bedeutet: Hab keine Angst, Mensch. Ich komm mit. Ich bin da, auch wenn du tiefe Täler durchwandern musst oder mal das Ziel aus den Augen verlierst. Ich bin da, selbst wenn alles gegen mich spricht. Ich bin da, wo niemand mehr ist.
Du sollst ein Segen sein! sagt Gott, und das bedeutet: Offenheit und Gastfreundschaft verbindet man mit Deinem Namen. Toleranz und Zärtlichkeit schmücken Dich. Du verhilfst denen zum Recht, die sich nicht selbst helfen können. Du redest, wo die Wahrheit verschwiegen wird. Du gibst dem Leben Raum wo der Tod Macht gewinnt.
Beides gehört untrennbar zusammen: Gesegnet sein und anderen zum Segen werden. Schalom, Selam, Frieden sagen die Kinder Abrams dazu. Bei der Frage nach einer liebenswerten Zukunft geht es zuletzt eben nicht um persönliche Leistung oder wirtschaftliches Wachstum, wie uns heute gern verkauft wird. Darauf liegt kein Segen, wie wir seit Abram wissen. Es geht um völlig andere Dinge: um Vertrauen, Loslassen-Können, Lebendigkeit. Es klingt heute fast anarchistisch: Das Wesentliche ist Geschenk! Vielleicht werfen wir heute Abend frühzeitig lieber eine Baldrian ein, machen das Licht aus und ziehen die Decke über die Ohren.
Was aber wäre, wenn Gott wirklich riefe? Die Verheißung Abrams hat das jüdische Volk durch Sklaverei und Zerstörung, auf der Flucht, beim Wiederaufbau und durch den Holocaust hindurch begleitet. Wir Christen glauben, dass wir durch den Juden Jesus von Nazareth Anteil haben dürfen an diesem weltumspannenden Segen Gottes. Komm raus, sagt Gott. Ich will dich segnen, und Du sollst ein Segen sein!
Komm raus
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