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Das hat doch alles keinen Zweck
Gestern Abend beim Italiener kamen wir auf die Schuldenkrise der Kommunen zu sprechen. Theater, Bildungs- und Sozialeinrichtungen werden genauso geschlossen
wie Schwimmbäder und Angebote für Jugendliche. 19 Städte in NRW können ihren gesetzlichen Pflichtaufgaben nicht mehr nachkommen.
Als die Banken sich verzockten, sprang der Staat ein, meinte ein Kollege. "Lieber lässt man eine Stadt pleite gehen, als eine Bank." Und einer meinte, es käme noch schlimmer, wenn die Steuersenkungen greifen. Man müsse sich wehren!
Das hat doch keinen Zweck! rief einer.
Ich höre diesen Satz immer öfter: Das hat doch alles keinen Zweck! Viele resignieren. Gerade die Jungen. Und ich kann´s verstehen, wenn sie nach 30 Bewerbungen auf einen Ausbildungsplatz nur Absagen bekommen. Oder wenn Familien die Gasabrechnung beim besten Willen nicht mehr zahlen können. Wie soll man das auch verstehen, wenn Unternehmen trotz guter Auftragslage geschlossen und ins Ausland umgesiedelt werden, und man selbst dadurch den Arbeitsplatz verliert.
Das hat doch alles keinen Zweck! Die Depression hat Konjunktur! Es hat doch keinen Zweck, sich zu wehren.
Wenn man unter Zweck den Beweggrund für ein Verhalten versteht, so macht es mir Angst, dass wir zunehmend keine Gründe mehr finden, uns zu wehren. Wenn alles keinen Zweck hat, heiligt dann in Zukunft ein Zweck wieder alle Mittel? Ich fürchte, viele von uns haben auch keine Kraft mehr, sich zu wehren. Wo es doch Gründe genug gäbe, grundsätzlicher zu fragen: Wer hat eigentlich etwas davon, dass die öffentlichen Haushalte und damit unser Sozialstaat am Ende zu sein scheinen? Wer verdient an der Wirtschaftskrise, an der latenten Depression vieler Menschen, an ihrer Angst?
Eigentlich sind das alte Fragen. Fragen nach dem, was gerecht und was ungerecht ist. Der Beweggrund sich zu wehren, ist dann erfüllt, wenn etwas ungerecht ist. Wenn z.B. wenige dadurch reich werden, dass es Vielen schlechter geht. Wenn Gesetze so gemacht sind, dass sie ungerechte Strukturen stabilisieren.
Als vor 2000 Jahren der Wanderprediger Jesus von Nazareth von den Mächtigen beschuldigt wurde, gegen die damalige Gesetzgebung zu verstoßen, meinte er, dass die Gesetze dem Menschen dienen müssten und nicht umgekehrt. Das brachte ihm keine Sympathien ein. Als er die Banken attackierte, war Schluss.
Natürlich können wir aus heutiger Sicht das darauf folgende Todesurteil Jesu als ein Scheitern seiner Beweggründe verstehen und sagen: Siehst Du: Das hat doch alles keinen Zweck! Die Mächtigen setzen sich durch.
Und doch hält sich seit 2000 Jahren hartnäckig das Gefühl, dass Gott es anders will: Menschlicher, gerechter. Und an ganz vielen Orten in der Welt machen ganz Viele sinnvolle Erfahrungen, wenn sie dem Satz: Das hat doch alles keinen Zweck! widersprechen. Wundersames passiert. Menschen finden zueinander, teilen Hoffnungen, Resignation und Ängste, und Totgeglaubte fangen wieder an zu leben.
In Wuppertal haben sich Bürgerinnen und Bürger, Gewerkschaften, Kirche, Vereine und Institutionen zusammengeschlossen zu dem Aktionsbündnis: Wuppertal wehrt sich! Wir sind gegen den weiteren Sozialabbau, sagen sie. Wir brauchen Mittagessen für die Kinder, Bibliotheken, Jugendzentren und soziale Hilfen. Wir brauchen Kultur. Das ist kein Luxus, sondern notwendig, gerecht. Die widerständigen Aktiven fühlen sich nicht geliebt in Berlin und Düsseldorf.
Aber gemeinsam auf dem richtigen Weg.
Das hat doch alles keinen Zweck
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