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Bed Peace
Wenn das Morgenlicht frostig durch die Fenster splittert, dann fällt es schwer die warmen Daunendecken zu verlassen.
Wie gerne bliebe ich noch wohlig eingekuschelt in meiner Betthöhle. Produktiv kann man schließlich auch im Bett sein, zeigt der Blick in die Kulturgeschichte. Rossini schrieb Opern im Bett. Der junge Einstein lag krank im Bett. Da schenkte ihm sein Vater einen Kompass. Der faszinierte Einstein so sehr, das sich für die Naturwissenschaften begeistert. Und auch der Mathematiker Hobbes zeichnet geometrische Figuren gerne auf seinen Laken. Man kann sogar im Bett liegenbleiben für den Frieden. Vor 41 Jahren machte das ein frischvermähltes Paar. John Lennon und Yoko Ono blieben sieben Tage und Nächte lang im Bett. Und gaben dabei auch gleich im Pyjama jede Menge Pressekonferenzen. An den Fenster klebten handgeschriebene Zettel: Bed Peace - Hair Peace. Bettfrieden - Haarfrieden. Der staunenden Weltöffentlichkeit erklärte John Lennon den Sinn der Aktion:
O-Ton John Lennon: Everybody's talking about peace, but nobody's doing anything about it.(
).And we did the bed event (..)just to give people an idea, that there's many ways of protest and this is one of them. And anybody could grow their hair for peace or give up a week of their holiday for peace, (
) protest against peace anyway, but peacefully. Because we think that peace is only got by peaceful methods and that to fight the establishment with their own weapons is no good, because they always win.
CD John Lennon Forever, Track 2 John Lennon Interview for Peace
Overvoice: Jeder redet vom Frieden, aber keiner tut etwas dafür. Mit diesem Bett-Happening in Amsterdam zeigen wir den Leuten, was man alles machen kann, um zu protestieren. Man kann sich die Haare für den Frieden wachsen lassen oder auf eine Woche Urlaub für den Frieden verzichten. Auf jeden Fall lässt sich Frieden nur mit friedlichen Mitteln erreichen. Das Establishment mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen wäre ein Fehler. Das Spiel gewinnen sie immer.
Im Bett bleiben für den Frieden. Das hat schon was. Mit skurrillen aber offentlichkeitswirksamen Mitteln sorgten John Lennon und Yoko Ono immer wieder für Aussehen. Wir erinnern uns: Es war eine Zeit, in der Hippiemädchen Blumen in Gewehrläufe steckten und überall Peacezeichen prangten. Auf der Wange, auf der Jeans, auf dem VW Bulli. Es gab eine Zeit, in der für den Frieden zu Ostern hunderttausende von Menschen Kilometer gemeinsam liefen. Wo überall Friedensgruppen an Ständen emisg Handzettel verteilten. Wo man abends Friedenskekse aß und Friedensliedern lauschte.
Musikeinspielung CD Lennon Legend, Track 2o, Plastic Ono Band, Give Peace a chance
Wenn ich mich zurückerinnere, kommt mir manches etwas überdreht, manches etwas liebenswert schrullig vor. Und dennoch! Mir fehlen diese verrückten Aktionen. Mir fehlt die Phantasie dieser Zeit. Und der brennende Entschluss in so vielen Köpfen und Herzen, die Welt nicht so gewalttätig hinzunehmen wie sie uns tagtäglich begegnet. Ich habe mehr und mehr den Eindruck: Wir lassen unsere Politkerinnen und Politiker mit den sorgenvollen Entscheidungen in Krisen- und Kriegsregionen viel zu sehr allein. Für Frieden sind wir immer alle.
Aber was tun wir dafür. Jetzt? Heute? Konkret? Wo mischen wir uns ein. John Lennons und Yoko Onos humorvoller Weg für den Frieden im Bett zu demonstrieren hatte ja durchaus Anleihen in der Bibel. Jesus von Nazareth ist derjenige, der Menschen zu Friedenstiftern machte. Sie hinausschickte in die Welt - ausgestattet mit der Klugheit der Schlangen und der Sanftheit von Tauben. Ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe, hat er gesagt. Und ins Herz gepflanzt hat er ihnen die Nächstenliebe und die Feindesliebe. Das erschien sicherlich schon einigen Zeitgenossen weltfremd und skurill.
Im Bett bleiben für den Frieden, kann heute keine Antwort mehr sein. So schwer es auch fällt, es heißt wohl: Raus aus den behaglichen Federkissen. Raus in die Welt und sich aktiv für den Frieden einsetzen. Gleichgesinnte suchen.
Bed Peace
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