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Jetzt ist aber Sabbat! (2 Mose 20, 8-11)
Charlie arbeitet am Fließband, er schraubt und schraubt und schraubt. In der Mittagspause findet sich ein Tross aus der Führungsetage in der Fabrikhalle ein.
Ein Ingenieur stellt seine neuste Erfindung vor, eine Maschine, die die Arbeiter am Laufband ernähren soll. So können sie gleichzeitig essen und arbeiten. Charlie ist das Versuchskaninchen und soll die Maschine ausprobieren. Die läuft wie geschmiert. Die Manager sind begeistert. Doch auf einmal dreht das Gerät durch. Der arme Charlie steckt in den Klauen der Maschine. Doch keiner kommt ihm zu Hilfe. Alle wollen nur den Maschinenschaden beheben. Als Charlie endlich befreit ist aus seiner Gefangenschaft, dreht er durch. Mit seinen Schraubenschlüsseln jagt er der Sekretärin des Chefs nach, gerät auf die Straße, will dort an einer üppigen Passantin weiterschrauben. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf.
Das ist die erste Szene aus Chaplins Film Moderne Zeiten. Er hält uns den Spiegel vor, was aus uns wird, wenn das einzige Maß des Lebens das der Maschine ist und der Mensch nur noch Rädchen in ihrem Getriebe. Wenn nur der Mensch etwas wert ist, der verwertet werden kann. Wenn Erwerbsarbeit Lebenszweck und Existenzberechtigung wird. Die Hartz-Gesetze haben das festgeschrieben. Auch wenn es viel zu wenig Jobs gibt: Wer keine Arbeitsstelle findet, muss dauernd unter Beweis stellen, dass er bereit ist zu arbeiten. Sonst bekommt er kein Geld zum Leben.
Jetzt ist aber Sabbat!, ruft die Bibel dazwischen. Eines ihrer vordersten Gebote heißt:
Sprecher: Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tag ist der Sabbat des Ewigen, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
Die christliche Theologie hat anstelle des Samstags den Sonntag zum Feiertag erhoben, weil er der Tag der Auferstehung ist. Ob jedoch Samstag oder Sonntag: Einen Tag in der Woche ruhen alle Hände. Einen Tag in der Woche werden die Kräfte nicht durch Arbeit verzehrt. An diesem Tag gibt es keine Arbeitnehmer und Arbeitgeber, es gibt nur noch freie Menschen. Nur zeichenhaft, aber immerhin.
Eine wunderbare Deutung des Sabbats fand ich bei einem jüdischen Theologen. Er nennt ihn die Erinnerung an aller Menschen Königswürde, eine Aufhebung der Unterscheidung von Herr und Knecht, reich und arm, Erfolg und Fehlschlag. Der Sabbat verkörpert den Glauben, dass alle Menschen gleich sind und dass die Gleichheit der Menschen ihren Adel ausmacht.
Der Feiertag ist ein Störfaktor, und das soll er um Gottes Willen auch sein. Immer schon ist er ein Dorn in den Augen derer gewesen, die sich in ihren freien Geschäften beeinträchtigt fühlten. Kein Wunder, denn wer sich sagt, Zeit ist Geld, der kann den Feiertag nicht heiligen, da er die Feier und das Nichtstun ja nur als vergeudete Zeit betrachten kann. Trotzdem oder gerade deshalb: Gut, dass es den Feiertag gibt. Gott hat uns nämlich nicht als Rädchen im Getriebe geschaffen. Der Feiertag ist Gottes Einspruch gegen die Entwürdigung des Menschen. Wir wollen ihn uns nicht nehmen lassen. Damit wir nicht vergessen, dass alle Menschen gleich sind. Damit wir nicht vergessen, dass in jedem von uns ein Königssohn, in jeder von uns eine Königstochter steckt.
Jetzt ist aber Sabbat! (2 Mose 20, 8-11)
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