Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.03.10, Christiane Birdgen

Den Maßstab zurechtrücken

In der Zeitung lese ich von den verheerenden Folgen des Erdbebens in Chile: über 800 Tote, unzählige Verletzte. Menschen, die unter den Trümmern lebendig begraben wurden.

Darunter die Schlagzeile „Merkel sorgt sich um den Euro“.

Es ist normal, dass in einer Zeitung unterschiedliche Nachrichten unverbunden nebeneinander stehen. Aber auf mich wirken die Themen komisch gleichwertig plaziert.

Finanzkrise, Staatsverschuldung, drohende Arbeitslosigkeit – wen’s trifft, den trifft’s hart. Die Sorgen sind also berechtigt.

Dennoch ist es gut, rechts und links zu gucken. Vergleichsweise geht’s uns immer noch sehr gut - oder wie sagte eine Freundin: auch auf hohem Niveau lässt es sich gut jammern.

Irgendwie wieder ein Empfinden für die Verhältnismäßigkeit zu finden, Maßstäbe zurechtrücken, darum geht’s auch in der Fastenzeit. Fasten kann mir helfen, Abstand zu bekommen. Zu den Dingen und auch zu mir selbst. Und dabei ist es egal, ob ich auf Zigaretten oder Alkohol verzichte, oder aufs Klamotten shoppen,  oder ob ich mir was ganz anderes vornehme. Hauptsache mal was anders machen, aus dem Trott raus und dabei wieder ein Gefühl für die Dinge zu bekommen – und auch für mich selbst.

Sprecherin: Bettina Förster

 

Audiobeitrag Den Maßstab zurechtrücken


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