Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.03.10, Pastor Christoph Neumann

Wer andere schädigt, muss zahlen

„Wer anderen einen Schaden zufügt, muss zahlen. Und das kann teuer werden.“ So wirbt eine Haftpflichtversicherung für neue Kunden.

Wenn der Fußball die Fensterscheibe des Nachbarn trifft. Wenn eine Vase zu Boden geht. Eine Flasche Rotwein sich auf den Teppichboden ergießt. Oder am Auto ein Blechschaden entsteht. Dann ist klar: für diesen Schaden müssen wir bezahlen. Und weil das sehr teuer werden kann, schließen wir ja eine Haftpflichtversicherung ab.

Was uns beim Auto, einer Fensterscheibe, dem Teppichboden, oder anderen Gegenständen selbstverständlich erscheint, ist uns bei anderen Schädigungen nicht in gleichem Maße klar.

Der Schaden, den wir einander unter uns Menschen zufügen, besteht ja nicht nur aus Gegenständen oder materiellen Werten. Auch in unseren Beziehungen geht immer wieder einmal etwas zu Bruch. Und zwar nicht nur aus Versehen, sondern manchmal willentlich und geplant.

Wenn eine Ehe zu Bruch geht, oder man sich nach einer langen Freundschaft trennt, dann kann es zwar immer wieder auch ums liebe Geld gehen. Und auch da wird es manchmal teuer. Aber um die Schäden, die in einer Seele zurückbleiben, darum kümmern sich keine Haftpflichtversicherung und kein Rechtsanwalt. Obwohl diese Schäden viel gewichtiger sein können. Nicht nur bei den Erwachsenen, sondern oft genug auch bei den Kindern, auf deren Rücken Konflikte der Eltern ausgetragen werden.

Dabei ist uns das meist nicht bewusst, welche Konsequenzen solche Schäden mit sich bringen. Wie teuer ein solcher Schaden in Beziehungen werden kann, erzählt uns eine biblische Geschichte.

In dieser Zeit gab es in Israel die Vielehe. Damals war es nichts besonderes, wenn ein Herrscher einen großen Harem hatte mit vielen Haupt- und Nebenfrauen. So auch David, der damals in Jerusalem König war.

Die vielen Frauen, die er besaß, waren ihm jedoch nicht genug. David hatte sein Auge auf Bathseba geworfen, eine schöne Frau, die direkt neben dem Königspalast wohnte. Das Problem war nur: Bathseba war verheiratet Und dazu noch mit einem treuen Soldaten seiner Armee. Eine solche Frau war damals selbst für einen König tabu.

David glaubte aber, diese Frau haben zu müssen. Während ihr Mann also im Krieg für David kämpft, lässt dieser Bathseba in den Palast bringen und schwängert sie. Damit diese Schandtat nicht öffentlich wird schickt er Uria, so heißt Bathsebas Mann, in einen aussichtslosen Kampf. Wie von David geplant, wird Uria erschlagen. Dann lässt er die Frau zu sich an den Hof holen, in der Meinung, ohne große Kosten auf seine Rechnung gekommen zu sein. Doch darin irrt sich David.

Kurze Zeit später erscheint Nathan, ein Prophet und weiser Mann am Königshof vor dem König. Dieser macht dem König unmissverständlich klar: Du bist schuldig geworden. Nicht nur am Leben dieser beiden Menschen sondern auch an Gott. Was du getan hast wird weitreichende Konsequenzen für dich und dein Leben haben.“

Obwohl David seine Macht und sein Amt so schrecklich missbraucht hatte, zeigt er an dieser Stelle Größe: Er sieht seine Schuld ein und bekennt sie vor Nathan und vor Gott. Trotzdem bewahrheitet sich in seinem Leben, was Nathan ihm angekündigt hatte: Der erste mit Bathseba gezeugte Sohn starb schon nach wenigen Tagen. Und ein dunkler Schatten liegt hinfort auf dem Familienleben Davids.

Lassen wir uns also gesagt sein: Wer Beziehungen mutwillig zerstört, nimmt sich den Segen Gottes und darf sich nicht wundern, wenn er dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Und das kann teuer werden. Denn dafür gibt es keine Haftpflichtversicherung.

Audiobeitrag Wer andere schädigt, muss zahlen


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