Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.03.10, Pfarrer Joachim Gerhardt

Reichtum

Reichtum ist gut. Man kann das in den Zeiten der Wirtschafts- und Bankenkrise nicht laut genug sagen. Schön, wer viel hat. –

Halt! Was erzählt der da, werden Sie denken. Viele Menschen auch bei uns haben immer weniger. Und hat Jesus nicht gesagt: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel?

Zum Himmel und zum Reichtum gibt aus der jüdischen Weisheit eine wunderbare Geschichte:

Sprecherin: Ein Mann kommt in den Himmel. Er findet dort alles genauso schön vor, wie er sich das immer erträumt hatte: Menschen flanieren über blühende Wiesen. Überall trifft er auf freundliche Leute. Und es gibt sogar überall nette Verkaufsstände mit herrlichsten Leckereien. „Was kostet das denn?“, fragt der Mann. Der Engel am Stand antwortet: „Alles kostet einen Cent“. – „Na wunderbar“, sagt der Mann und holt sein Portemonnaie heraus. „Gut, dass ich soviel Geld mitgebracht habe!“ – „Du hast mich falsch verstanden“, sagt der Engel. „Bei uns zählt nicht das Geld, das du mitgebracht hast. Bei uns zählt nur das, was du anderen gegeben hast.“

Autor: Tja, Pech gehabt. Die Geschichte hat eine gewisse Tragik. Für den Mann mit der prallen Geldbörse ist es, einmal im Himmel angekommen, zu spät. Das ist bitter. Von dem ewigen Reichtum im Himmel wird er nicht zehren können.

„Hätte ich doch, hätte ich doch damals auf Erden mehr von meinem Reichtum abgegeben!“, höre ich ihn rufen. „Hätte ich doch ein wenig mehr von meinem Reichtum mit anderen geteilt: mit meinen Kindern, meinen Enkeln, meinen Nachbarn, dem Penner, den ich jeden Tag am Bahnhof getroffen habe! Hätte ich doch nicht so viel Reichtum für mich gesammelt. Und immer mit dieser Angst, ich könnte zu wenig haben. Es war am Tag meines Todes ja doch viel mehr als ich brauchte!“

Hätte, ja hätte…! – Der Mann wird sich innerlich verflucht haben.

In der Bibel stehen viele Geschichten mit ähnlichen Aussagen. Auch Jesus hat sie erzählt. Übrigens nicht nur den Superreichen, sondern meistens den  Normalverdienern. Und er schloss dann oft mit dem Satz:

Sprecherin: „So geht es dem, der sich Schätze sammelt und nicht reich ist bei Gott.“

Autor: Mir ist wichtig: Jesus hat diesen Satz nicht schadenfroh gen Himmel gesagt. Also für all die ehemals Reichen, die da nun verarmt ihr himmlisches Dasein fristen. Jesus meint ihn fürsorglich. Für seine Jünger und die Menschen, die ihm hier auf Erden folgen wollen. Damit sie und alle, die mehr haben, als sie zum Leben brauchen, wissen, wie sie mit dem eigenen Reichtum umgehen sollen.

Manche sagen: Die Wirtschaftskrise ist überwunden. Die Finanzbranche agiert, zumindest in Teilen, schon wieder so wie vor der Krise: mit maximalen Dividendenzielen und unglaublichen Bonuszahlungen. Mir macht das Angst. Haben Menschen nicht gelernt, wohin es führt, wenn jeder vor allem Gewinne optimiert und die eigenen Scheunen füllt? – Es ist leicht, auf andere zu zeigen. Machen wir es persönlich besser. Denn wir wissen warum: Am Ende zählt nur das, was wir mit anderen geteilt haben.

Audiobeitrag Reichtum


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