Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.03.10, Christina Ossenberg-Gentemann

Versichern ist gut, vertrauen ist besser

Es war Sonntagvormittag und ich war auf meiner üblichen Laufstrecke unterwegs, als ich an einer großen Schafherde vorbeikam.

Da war ordentlich was los, denn mitten im Schnee hatten etliche Schafe Lämmchen geboren. Ich blieb stehen – so was sieht man schließlich zwischen Bochum und Dortmund eher selten.

Der Schäfer, ein wettergegerbter Typ, stand am Rand. Wir kamen ins Gespräch: „Ich komme vom Dorf, da gab es auch einen Schäfer, der mit seiner Herde herumzog“, sagte ich, „aber hier hätte ich nie damit gerechnet, so mitten im Revier.“ Er erzählte von seinem Beruf, von dem bisschen Geld, das er damit nur noch verdiene – die Unkosten seien das Problem: die Versicherungen für Krankheit, Unfall und so weiter. Trotzdem wolle er keinen anderen Beruf haben.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln, heißt es in der Bibel. Gott wird oft als Hirte bezeichnet. Der Hirte, der seine Herde schützt, der vorgeht und für sie sorgt…

Jetzt, nachdem ich den Schäfer getroffen habe, verstehe ich das Bild besser: Klar, ich bin auch ganz gut versichert, aber, dass ich nicht auf mich allein gestellt bin, darauf muss ich vertrauen. Mir wurde in meinen Sportklamotten kalt und ich verabschiedete mich von dem wetterfesten Schäfer. Der zieht immer weiter. Und die Schafe? Die laufen mit und vertrauen darauf, dass er irgendwo einen Ort für sie findet – ein Fleckchen grün – zwischen all den Autos beim Opel-Werk.   

Sprecherin Alexa Christ

 

Audiobeitrag Versichern ist gut, vertrauen ist besser


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