Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.03.10, Pastor Christoph Neumann

Mit dem Herzen sehen

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“, sagt der kleine Prinz in dem bekannten Buch von Antoine de Saint – Exupery.

So wie dieser wunderbare Junge von einem anderen Stern eine Freundschaft beschreibt, ist das bei den Teenagern unserer Tage wohl eher selten. Wesentlich ist da meistens doch zunächst das, was das Auge sieht: Die Freundin muss eine gute Figur haben und nach der neuesten Mode gekleidet sein. Aber auch für uns Erwachsene ist oft wesentlich, was man vorzeigen kann.

„Wenn du den Job haben willst, musst du etwas im Schaufenster haben. Was es nachher im Laden gibt, ist erst einmal nicht so wichtig.“ So sagte mir ein Bekannter, der bei einer Stellenausschreibung nicht genommen wurde, weil er sich, wie man ihm nachher sagte,  nicht gut genug „verkauft“ hatte.

Der erste Eindruck ist offenbar der wichtigste. Die äußere Erscheinung fällt eben doch ins Gewicht, auch wenn sie nichts über die inneren Qualitäten eines Menschen aussagt.

Das war auch zu Zeiten der Bibel schon so. Im alten Israel bekommt Samuel, ein besonders begabter Prophet, von Gott den Auftrag für eine besondere Stellenausschreibung. Er soll einen jungen Mann finden, der die Stelle eines neu zu besetzenden Königs einnehmen soll. In dem Dorf Bethlehem kommt der Prophet in das Haus des Mannes Isai. Der hat acht Söhne. Samuel ahnt: Einer von ihnen muss es sein. Und so lässt er die jungen Männer herbeiholen.

Sprecher: „Als Isai mit seinen Söhnen kam, fiel Samuels Blick auf Eliab, und er dachte: „Das ist gewiss der, den der HERR erwählt hat“ Doch der HERR sagte zu Samuel: „ Lass dich nicht davon beeindrucken, dass er groß und stattlich ist. Er ist nicht der Erwählte. Ich urteile anders als die Menschen. Ein Mensch sieht, was in die Augen fällt; ich aber sehe mit dem Herzen“

Wie in einer Castingshow stellt sich einer der Söhne nach dem anderen vor Samuel auf. Doch immer wieder lehnt die göttliche Jury den Kandidaten ab. Als endlich sieben der Söhne ihre Vorstellung beendet haben, ist Samuel ratlos. Auf die Frage des Propheten, ob das alle Söhne seien, verweist Isai auf den Jüngsten. Der ist noch bei der Arbeit und hütet die Schafe. In den Augen von Vater Isai hatte der Jüngste nicht das Format für den Job eines Königs. Doch auf Drängen Samuels wird der Junge vom Feld geholt. Und David, der Jüngste und Kleinste erweist sich, - sehr zum Erstaunen seiner Brüder -  als der von Gott erwählte Nachfolger im Königshaus.

Während seine Brüder und seine Eltern in ihm das Zeug für einen Schafhirten sehen, erkennt Gott in dem unscheinbaren Jungen die Qualitäten für den verantwortungsvollen Job eines Königs.

Wie sich der Hirtenjunge David zu einem König entwickelt, der in die Geschichtsbücher eingegangen ist, das wollen wir uns in dieser Woche ein wenig anschauen.
Für heute lassen wir uns von Gott sagen: Bemiss die Qualitäten deiner Mitmenschen nicht so schnell an den ins Auge fallenden Eigenschaften. An der Kleidung oder am Verhalten. Ob das deine Freundin ist oder dein Freund. Oder ob das deine Kinder sind. Und wenn du Vorgesetzter bist, dann halte bei deinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Ausschau nach dem, was in ihnen stecken könnte. Vielleicht entdeckst du ja ganz ungeahnte Fähigkeiten.

Audiobeitrag Mit dem Herzen sehen


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen