Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.03.10, Pfarrer Joachim Gerhardt

Eiserne Hochzeit

Die beiden haben mich angerührt. 65 Jahre sind sie verheiratet. Respekt. Nun stehen sie wieder vor dem Traualtar zu ihrer Eisernen Hochzeit.

Noch einmal wollen sie Gottes Segen empfangen. Eiserne Hochzeit – komisches Wort. „So eisern war das gar nicht“, hat der Mann mir erzählt. „Wir hatten unsere Höhen und Tiefen.“ – „Manchmal stand es auf der Kippe. Aber wir haben durchgehalten“, sagt die Frau. Und wenn man die beiden heute so sieht, dann denkt man: Gut so.

65 Jahre sind eisern. 60 Jahre sind diamanten und wer die 70 Ehejahre erreicht darf die „Gnadenhochzeit“ feiern. Woher diese Ehrenbezeichnungen kommen, lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen. In Holland hätte mein Paar mit 65 Jahren die Brillantenhochzeit gefeiert, in England die Sternsaphir-Hochzeit und als Skandinavier die Krondiamantenhochzeit. Da gibt es „eisern“ erst nach 70 Ehejahren.

Ich bin übrigens gerade mal neun Jahre verheiratet. Das ist die Keramikhochzeit, habe ich mich erkundigt. Da kann wohl noch einiges kaputt gehen, na ja… Ich habe mein Paar gefragt: Was ist das Geheimnis für eine glückliche Ehe? „Wir haben nie aufgehört, uns für den anderen zu interessieren“, haben sie beide gesagt. „Es ist uns immer wichtig geblieben, was der andere macht und was ihn beschäftigt; und darüber haben wir uns immer wieder ausgetauscht.“ Das klingt so banal, finde ich. Und doch scheint das so etwas zu sein wie der Schlüssel zu einem guten Zusammenleben, und das über Jahrzehnte.

Fast jede zweite Ehe geht heute in Deutschland vorzeitig auseinander. Typisch für unsere Welt, sagen manche: Die Menschen setzen immer mehr auf Selbstverwirklichung als auf feste Bindungen. Das Versprechen „für die guten wie für  die schlechten Tage“ gilt für die schlechten immer weniger.

Ich weiß nicht, ob das so zutrifft. Auch Statistiken scheinen mir wenig aussagekräftig. Jede Ehe hat ihre eigene Geschichte. Und ich habe Paare erlebt, für die war die Trennung zwar schmerzhaft, aber eine Befreiung, sie wurde zu einem Neuanfang.

Es macht mir allerdings Mut zu erleben: Es geht auch anders. Die beiden eisernen Jubilare sind für mich ein Paar gegen den Trend. Ihr Trauspruch vor 65 Jahren war: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Ein Lieblingsspruch vieler Hochzeitspaare bis heute, von dem Apostel Paulus aus dem 1. Korintherbrief (Kapitel 13, Vers 13).

Die Trau-Urkunde Ihrer Hochzeit haben sie irgendwo verloren. In den wirren Jahren nach dem zweiten Weltkrieg. Das Wort von Glaube, Hoffnung und Liebe hat sie aber bis heute begleitet, erzählen sie. „Liebe bleibt“, sagt die Frau. „aber sie verändert sich.“ Für den Mann hat Liebe mit den Jahren neue Bedeutungen bekommen: „Vertrauen“, sagt er, „Geborgenheit und stilles Verständnis.“ Und das alles sei viel wert, und neben Gesundheit das Wichtigste im Leben.

Die beiden sind mit ihren Erfahrungen nicht alleine. In Deutschland feiern jährlich fast 14.000 Menschen ihre eiserne Hochzeit.

Audiobeitrag Eiserne Hochzeit


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