Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.02.10, Bettina von Clausewitz

Christenverfolgung nimmt weltweit zu

O-Ton: Liturg in Arabisch und Gemeinde im Wechsel / Autorin: Es klingt unverkennbar nach Orient, wenn chaldäische Christen aus dem Irak Gottesdienst feiern,

in Arabisch und Aramäisch – der Sprache Jesu, auch hier im Essener Norden nicht weit von alten Zechen und Fördertürmen in einer modernen Backsteinkirche, wo sie eine neue Heimat gefunden haben. Das Bistum Essen hat den Flüchtlingen das Gebäude im März 2009 überlassen. „Unsere Liturgie ist ein Ozean voller Gebet und Tränen“, sagt  Pater Sami Danka aus Bagdad.

Atmo: frei

O-Ton: Am 1. August 2004 sind die Kirchen erstmals bombardiert worden, es gab Anschläge damals und viele Tote – Märtyrer, die trotz aller Probleme gekommen sind und sich zu Gott bekannt haben. Man hat damals ein paar Wochen große Angst gehabt, aber die Menschen sind trotzdem weiter gekommen. Das zeigt, dass sie eine ganz tiefe innere Verbindung zu ihrer Kirche haben.

Autorin: Mittlerweile gehören fast 1.000 irakische Flüchtlinge aus Nordrhein-Westfalen zu dieser Gemeinde. Seit dem Einmarsch der US-Truppen im Irak 2003 ist die christliche Minderheit zur Zielscheibe islamistischer Übergriffe geworden: Anschläge auf Wohnhäuser und Geschäfte, Entführungen und Morde haben rund die Hälfte der 1.2 Millionen Christen vertrieben. Viele sind in die Nachbarländer geflohen, andere bis nach Deutschland, erzählt Rudi Löffelsend von der Caritas in Essen. Kürzlich hat er sieben elternlose Kinder aufgenommen.

O-Ton: Im Sommer 2007 ist bei einer chaldäisch – christlichen Familie, die in einer Kleinstadt südlich von Bagdad gelebt haben, im sog. Todesdreieck, ne marodierende Truppe von Islamisten aufgetaucht - sieben Kinder, die Mutter vor dem Haus, und die dann die Mutter aufgefordert haben: „Du musst von deinem Glauben abschwören und musst sofort Muslim werden, sonst töten wir dich.“ Und dann hat die gesagt: „Auf keinen Fall.“ Und dann haben sie sie erschossen. Vor den Augen der Kinder.

Autorin: Die Spirale der Gewalt gegen Christen im Irak scheint endlos, auch weil sie als Südenböcke für den Hass auf die Amerikaner herhalten müssen – auf  westliche Werte und Lebensweise allgemein. Ähnliches erleben zur Zeit viele christliche Minderheiten: in Nordkorea oder Indien, im Iran oder kürzlich in Ägypten.  Weltweit werden rund 200 Millionen Christen in etwa 50 Ländern verfolgt. 80 bis 90 Prozent aller religiös Verfolgten – und das ist neu – sind derzeit Christen. Anlass für die Evangelische Kirche, die EKD, den heutigen Sonntag erstmals als „Tag der verfolgten Christen“ zu begehen. EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte.   

O-Ton: Für mich ist die Frage des Menschenrechts der Religionsfreiheit das zentrale Thema. Aber ich lasse es auch nicht ausspielen gegen andere Themen, etwa der Folter oder der politischen Verhaftungen. Menschenrechte sind ja gleichrangig und alle von absoluter Bedeutung. Aber als Christen, als Evangelische Kirche in Deutschland, haben wir einen besonderen Blick auf die Religionsfreiheit, was denn sonst?

Autorin: Bei Kirchgang Lebensgefahr! Was für uns selbstverständlich ist, wird anderswo teuer erkauft und manchmal mit dem Leben bezahlt: eine Bibel zu besitzen, mit Jesus Christus zu sprechen und den Glauben gemeinsam mit anderen zu feiern.

 

Audiobeitrag Christenverfolgung nimmt weltweit zu


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