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Brot, Kerzen und Rosen
Die Christen haben drei Kerzen in der Hand. Die Muslime drei Fladenbrote. Sie stehen am Sperrzaun, in Palästina.
An jenem Zaun, der Israel von den Palästinensergebieten trennt. Ein Zeichen der Hoffnung wollen sie setzen. Denn ohne Hoffnung und Vertrauen kann das betonharte Misstrauen nicht aufgebrochen werden, das Juden und Palästinenser trennt. Die christlichen und muslimischen Palästinenser warten auf Israelis, die mit drei Rosen in der Hand kommen sollen. Sie sind an einer Stelle zwischen Bethlehem und Jerusalem verabredet, wo noch keine acht Meter hohe Betonmauer steht. Sondern nur ein Zaun. Statt der Friedensaktivisten kommen jedoch Soldaten, mit Gewehren statt Rosen.
Hannelore Shihadeh erzählt von der bewegenden Szene. Sie ist die Frau des lutherischen Pfarrers in Bethlehem. Um sie zu besuchen, musste ich selbst die Mauer und ihre Grenzposten durchqueren. Alte Erinnerungen an das geteilte Berlin kamen in mir hoch.
Und eine große Traurigkeit, von der mir schon viele berichtet hatten. Zuvor hatte ich Yad Vashem besucht, die israelische Gedenkstätte an den Holocaust. Hatte die Bilder noch vor Augen von den Ghettos mit ihren Mauern. Von den entrechteten Juden und den Vernichtungslagern. Und nun musste ich eine Mauer durchschreiten, die der Staat Israel errichtet hat. Welch eine Tragik: Die Nachfahren der Verfolgten glauben sich nicht anders schützen zu können, als durch die Errichtung neuer Ghettos diesmal für die Palästinenser. Und eine Tatsache gibt ihnen Recht: Seit dem Bau der Mauer hat die Zahl der Attentate in Israel deutlich abgenommen.
Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn die Hoffnungslosigkeit der Palästinenser wächst mit jedem Tag. Nur wenige Prozent der Bewohner Bethlehems dürfen die Grenze in Richtung Jerusalem passieren. Eine wirtschaftliche Entwicklung ist in den zerschnittenen Gebieten kaum möglich.
Hoffnung und Hoffnungslosigkeit sind auch das Thema von Hannelore Shihadeh. Mit leuchtenden Augen erzählt sie von dem Friedenstreffen. Nach den Soldaten waren nämlich doch noch die jüdischen Freunde mit den Rosen gekommen. Dann hatten sie durch den Zaun ihre Gaben getauscht: Die Lichter der Christen, die an das Wort Jesu erinnern: Ihr seid das Licht der Welt. Die Brote der Muslime als Symbole für das Leben. Und die Rosen der Juden, die für Schönheit und Wohlgeruch der Tora stehen. Am Ende hatte jeder ein Licht, ein Brot und eine Rose in der Hand.
Wir sind auch kritisiert worden für diese Aktion, erzählt die Pfarrfrau. Man solle nicht vom Ernst der Lage ablenken, indem man ein friedliches Miteinander feiere. Aber sie widerspricht: Was wir vor allem brauchen, sind Zeichen der Hoffnung. Zeichen, dass die Religionen nicht in Feindschaft leben müssen. Zeichen, dass viele sich ein friedliches Miteinander wünschen. Ohne solche Zeichen kann die Mauer nicht überwunden werden.
Recht hat sie. Die Mauer ist ein Symbol des Misstrauens, für das es viele Gründe gibt. Es ist Zeit, Gründe für das Vertrauen zu sammeln.
Brot, Kerzen und Rosen
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