Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.02.10, Pfarrer Sven Keppler

Rette mich später

Musik: 2Raumwohnung, Rette mich später, Partitur Verlag, LC 11723 Autor: Die beiden sind ein erstaunliches Paar, voller Gegensätze.

Er ist ein ganz Tiefsinniger, der den Dingen gerne auf den Grund geht. Sie ist dafür viel zu ungeduldig. Genießt lieber den Augenblick wie ein Feuerwerk. Er schaut ihr lange tief in die Augen. Bei ihr kribbelt es, und sie möchte aufspringen und tanzen. Ihre neue Hymne ist „Rette mich später“ von „2raumwohnung“.

Musik: Da vorne kommt ein Sturm und ich renn raus. Durch all die dicken Wolken, ich räum auf.

Autor: Sie ist voller Sehnsucht nach Leben. Will keine geordnete Langeweile. Und sie spürt, wie intensiv das Leben mit ihm ist. Auch wenn er nicht gerade spontan ist und seine Regeln sie manchmal nerven.

Musik: Du und ich das macht jedes Wort elektrisch und Regeln funktionieren jetzt nicht mehr, das versprech ich.

Autor: Sie begreift einfach nicht, wie er immer so ausgeglichen sein kann. Auch er genießt ja das Leben. Aber er will nichts tun, bloß weil es verrückt ist. Als Christ will er nicht erst morgen mit dem verantwortlichen Leben anfangen. Denn wie heißt es in der Bibel: „Wenn der Hausherr wüsste, wann der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen.“ (Lukas 12,39) Man weiß nicht, wie lange man die Dinge aufschieben kann. Sie hält dagegen:

Musik: Rette mich nicht jetzt, ich will noch bleiben hier auf diesem Teppich, denn der fliegt. Wenn einer sagt, man kann sein Chaos hier vermeiden – na ja, der lügt.

Autor: Sie spürt ja, dass er Recht hat. Aber einen kleinen Aufschub möchte sie doch für ihre liebenswürdige Unvernunft. Du darfst mich ja retten. Aber bitte nicht sofort, sagt sie.

Musik: Rette mich nicht jetzt beim Übertreiben. Ich will heute keine roten Ampeln sehen. Und ich brauch auch keinen roten Faden, nur dich und mich.

Autor: Sie weiß, dass er sie auch mit ihren Verrücktheiten liebt. Vielleicht sogar ein bisschen deswegen. Aber sie spürt auch, dass sie ihn braucht. Dass er ihr gut tut mit seiner gefestigten Art. Zwei Stimmen kämpfen in ihr: Rette mich später. Aber bitte, rette mich auch.

Musik: Rette mich später – rette mich. Rette mich später – rette mich. Rette mich später – rette mich. Heute jedenfalls nicht.

Autor: Später – das kann noch ganz schön lange dauern. Er ist klug genug, um ihr Zeit zu lassen. Denn er weiß: Irgendwann wird auch bei ihr der Moment kommen. Dann wird sie ihr Leben verändern wollen. Vielleicht, weil sie keine Kraft mehr hat, immer dem Augenblick hinterher zu laufen. Vielleicht, weil sie das Übertreiben irgendwann langweilen wird. Vielleicht auch einfach, weil ihr Gewissen es ihr sagt. Dann will er für sie da sein. Und ihr helfen, dass sie den Absprung schafft.

Musik: Rette mich später – rette mich. Rette mich später – rette mich...

Audiobeitrag Rette mich später


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