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Hand an den Pflug! (Lukas 9,62)
Die einfachsten Sprichworte sind oft die schwierigsten. Und das gleiche gilt für Bibeltexte.
So auch für dieses: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Teil eins geht ja noch einigermaßen klar. Das Zurückblicken taugt nicht viel, so meint Jesus, und ich glaube, er hat recht. Oft genug versackt man in Erinnerungen, vergrübelt sich im Gestern und lässt sich von den Schattenseiten seiner Vergangenheit über den Tisch ziehen, wo es doch eigentlich besser wäre, nach vorne zu schauen. Die Vergangenheit hat eine eigenartige Sogwirkung, und wenn man einmal in ihren Strudel gerät, ist es manchmal schwer, wieder herauszukommen. Insofern ist schon der erste Teil unseres Bibeltextes nicht ganz einfach.
Was aber ist mit dem zweiten Teil, der mit der Hand und dem Pflug? Ist schon klar, gerade Furchen kann nur der Bauer ziehen, der geradeaus schaut und seinen Pflug fest in der Hand hält. Und wenn man kein Bauer ist und mit Landwirtschaft nichts am Hut hat? Wo ist dann der Pflug, den man fest in der Hand haben soll? Was ist es, das ich in meinem Leben anpacken, das ich in Angriff nehmen müsste?
Wir haben alle bisweilen das Gefühl, dass nicht wir das Leben, sondern das Leben uns fest in der Hand hat. Es ist nicht nur die Vergangenheit, die uns über den Tisch zieht, die Gegenwart kann es genauso gut. Der Alltag hat seine eigenen Spielregeln und regiert unser Dasein mit eiserner Hand. Glücklicherweise erhebt sich aber immer wieder mal eine leise Stimme in uns und quält uns mit ein paar bohrenden Fragen: Was wollte ich noch gleich vom Leben? Was war es eigentlich, das ich immer schon mal tun wollte, das ich furchtbar gerne gemacht habe, das ich ziemlich gut konnte?
Und nun gibt es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Mit dem Blick zurück oder dem Blick nach vorn. Man kann resigniert zurückblicken und auf solche Fragen einwenden: Es ist zu spät, der Zug ist abgefahren. Man kann sich mit dieser simplen Antwort begnügen und sich darauf beschränken, den verpassten Möglichkeiten hinterher zu trauern. Oder aber man beginnt, noch einmal neu, die Hand an den Pflug zu legen. Man könnte sich zum Beispiel hinsetzen und einmal aufschreiben, was es eigentlich genau war, das einen im Leben angetrieben hat. Was auch immer es gewesen ist, es könnte der Hinweis auf ein verborgenes Talent sein, das in uns schlummert und nur darauf wartet, wachgerufen zu werden. Man könnte überlegen, was sich jetzt davon noch realisieren ließe, freilich unter anderen Voraussetzungen. Man könnte konkret darüber nachdenken, wie sich die Voraussetzungen ändern ließen. Und wenn einem selber nichts Großartiges dazu einfällt, dann könnte man andere um Rat fragen, die es vielleicht besser wissen. Man könnte, wenn man wollte. Es zu tun, das heißt, die Hand an den Pflug zu legen.
Ein bisschen Arbeit macht das Ganze natürlich schon. Das muss man einem Bauern nicht groß erzählen. Der würde vermutlich an manchen Tagen auch lieber im Bett liegen bleiben, als auf den Acker hinauszugehen. Aber er hätte verloren, wenn er es nicht täte. Und auch wir hätten viel verloren, wenn wir den ungeahnten Möglichkeiten und schlummernden Talenten nicht auf den Grund gingen, die Gott uns gegeben hat. Er will nicht, dass wir sie verkümmern lassen, sondern dass wir sie entdecken vielleicht wiederentdecken und heben wie einen verborgenen Schatz.
Was dann aus unserem Acker wird und welche Früchte in Zukunft aus seinen Furchen sprießen, es liegt nicht in unserer Hand. Unsere Hand aber gehört an den Pflug!
Hand an den Pflug! (Lukas 9,62)
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