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Der Befreier
Mein Vater hat jahrelang Zigaretten geraucht. Mein Bruder und ich haben oft versucht, ihm das abzugewöhnen. Aber es hat nie lange funktioniert.
Er hat immer wieder angefangen. Irgendwann musste er mal ins Krankenhaus wegen einer Schulter-OP. Und da durfte er einen Tag lang das Bett nicht verlassen und konnte also nicht rausgehen und rauchen. Am nächsten Tag hat er die Gelegenheit genutzt und überhaupt gar nicht mehr angefangen mit dem Rauchen. Seitdem ist er rauchfrei.
Im Moment ist Fastenzeit. Das bedeutet viele Menschen verzichten auf Dinge, die sie im Alltag sehr regelmässig konsumieren. Zum Beispiel Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol. Ich persönlich, ich gucke jetzt kein Fernsehen mehr. Am Anfang habe ich gedacht: Das halte ich überhaupt nicht durch! Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, setze ich mich auf die Couch, mache ich die Glotze an und gucke einfach.
Am Anfang saß ich dann da, dachte, mir ist langweilig. Irgendwann habe ich mir einfach ein Buch genommen. Und ich habe schon länger kein Buch mehr gelesen und festegestellt, das machte irgendwas. Das war wie eine kleine Befreiung für mich. Weil ich gemerkt habe, wenn ich hier normalerweise sitze: Ich gucke einfach nur Quatsch. Ich lasse mich einfach nur berieseln.
Ich glaube, es ist ungeheuer wichtig, dass es im Leben immer wieder Fastenzeiten oder diese Auszeiten gibt. Denn dann merkt man erst, unter welchen Zwängen man normalerweise eigentlich steht. Und sich dann von diesen Zwängen zu befreien, auf Dinge zu verzichten, das fühlt sich zuerst ein komisch an und man hat ein wenig Angst davor. Aber wenn man das dann schafft, dann gewinnt man nur dazu.
Sprecher: Gernot Hoersch
Der Befreier
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