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Geradestehen!
O-Ton: (Gesang) Sing mit mir ein Halleluja, sing mit mir ein Dankeschön, denn im Danken, da liegt Segen, und im Danken preis ich ihn
Autor: Ja, was denn? Ist der Karneval noch nicht vorbei? Da stehen zwei Leute mit Mütze und Uniform an der Ecke und singen fromme Lieder. Haben die den Aschermittwoch verpasst, oder was? Nein, haben sie nicht!
O-Ton: Das ist unser Fußgängerzoneneinsatz, wo wir mittwochs und samstags jeweils zwei Stunden rausgehen, so von zehn bis zwölf oder elf bis eins. Da gehen wir mit unserem Wagen raus, da ist `n kleiner Tisch, da ist `ne Gitarre, Notenständer, unsere Noten, und vor allem die Heilsarmee-Verteilmagazine, die wir den Menschen weitergeben.
Autor: Seit einem guten halben Jahr sind der Schwabe Mario Kramm und seine Frau Sabine in Siegen aktiv und versuchen an einer belebten Fußgängerpassage, den Glauben unters Volk zu bringen.
O-Ton: Wir singen die frohe Botschaft, die Menschen dürfen von weitem oder von nahem vorbeigehen, stehen bleiben, hören und dann auch ein Magazin mitnehmen, `ne Spende geben und mit uns ins Gespräch kommen. Wir wollen also hinausgehen zu den Menschen, regelmäßig, und sie mit der frohen Botschaft kontaktieren.
Autor: Hinausgehen zu den Menschen, das gefällt mir! Und die Beständigkeit, mit der die beiden Heilsarmisten ihre Sache vertreten, ebenfalls. Aber muss das denn unbedingt in Uniform sein? Ist solch ein militärisches Auftreten heute wirklich noch angebracht, wo sich doch alle Welt um Frieden bemüht? Mario Kramm sieht das gelassen und verweist auf die Tradition:
O-Ton: Man versucht, das Heil in einer Form, in einer Struktur wie eine Armee rüberzubringen, nicht mit einer Waffe unterm Arm, sondern mit der Bibel, aber strukturiert wie `ne Armeehierarchie, es gibt Divisionen, es gibt Offiziere
Autor: Ist ja auch kein Spaziergang, wenn man sich entschieden für eine Sache einsetzt. Manchmal muss man eben dafür kämpfen und streiten, vor allem dann, wenn man sich nicht bequem auf staatliche Unterstützung verlassen kann, sondern seinen Laden selbst finanzieren muss.
O-Ton: Alles ist Spende, alles ist gesammelt, nix kommt irgendwie zwangsläufig wie bei `ner normalen Gemeinde als Kirchensteuer vom Staat oder ähnlich.
Autor: Die Spenden aber, sie sollen nicht zuletzt den Bedürftigen zu Gute kommen. Es ist die Zuwendung zu den Benachteiligten der Gesellschaft, die sich die Heilsarmee auf ihre Fahnen geschrieben hat, Menschen, bei denen eine normale Kirchengemeinde oft an ihre Grenzen stößt.
O-Ton: Von dem, wo die Heilsarmee aus England herkommt, und wofür sie gearbeitet hat und welche Zielgruppe sie erreichen wollte, sind´s die Menschen, die ganz unten sind, Obdachlose, denen einfach ein Dach überm Kopf fehlt, denen Essen fehlt
Autor:
und für diese Menschen machen sich auch die Heilssoldaten aus Siegen stark. Nicht jeder ist wie sie in der Lage, so klar und deutlich seinen Glauben zu bezeugen, und sicher ist auch die Art und Weise, in der es die beiden tun, nicht jedermanns Geschmack. Zwei Fragen aber sollten wir uns von ihnen gefallen lassen: So klein und schwach unser eigener Glaube auch immer sein mag, sind wir damit für unsere Mitmenschen erkennbar, und sind wir bereit, dafür gerade zu stehen? Es wäre schön, wenn wir darauf mit Ja antworten könnten.
Geradestehen!
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