Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

21.02.10, Bettina von Clausewitz

e/motion Gemeinde in Essen

O-Ton: Das ist die Sankt Maria Immaculata und die hat immer noch große Deckengemälde und eine große Weinranke, die hier rum geht,

aber wir haben als allererstes mal die meisten Bänke hier rausgeschmissen, einige haben wir stehen gelassen, weil das dem Ganzen etwas Besonderes gibt, aber dann haben wir Stühle gestellt und Sofas reingestellt. Dann haben wir ungefähr 150 Kerzen reingestellt, damit sie schön leuchtet, Strahler reingestellt, damit sie ein anders Licht kriegt, rotes und orange farbenes, damit alles wärmer wirkt.

Autorin: Sofas und farbiges Licht statt harter Kirchenbänke und strenger Atmosphäre – seit einem Jahr hat die katholische Kirche Sankt Immaculata in Essen-Borbeck ein neues Ambiente und einen neuen Mieter: die junge innovative CVJM-Gemeinde e/motion, zu der auch die Theologin und Autorin Christina Brudereck gehört.

Atmo: Keyboard

Autorin: In einem bundesweiten Wettbewerb „Fantasie des Glaubens“ ist e/motion kürzlich als Modellgemeinde mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden - Glauben übersetzt in die moderne Alltagskultur. Und das ohne Kirchensteuern und Hauptamtliche, nur mit dem ehrenamtlichen Engagement seiner 90 Mitglieder.

O-Ton: Andachtslied von Band und Gemeinde: „This one is out to the lonely, this one is out to the broken ones ...“

Autorin: In St. Immaculata wird immer noch gebetet, gesungen und Gottesdienst gefeiert: ein Dach für die Seele – aber nicht im Rhythmus alter Traditionen, sondern angepasst an den Rhythmus junger Leute zwischen 20 und 40. Der Gottesdienst ist abends, kein Problem für Spätaufsteher nach der Party, am Eingang kann man sich erstmal mit Tee und Kaffe versorgen, und wer zu spät kommt, muss sich nicht verschämt in die letzte Reihe schleichen. Wohlfühlen in der Kirche wie in einem Wohnzimmer, das ist die Devise des 23-jährigen Mediengestalters Hannes Leitlein, Mitglied der Gemeindeleitung von e/motion:      

O-Ton: Ich glaube, es braucht eine Kirche, die eine Kultur lebt, die auch draußen funktionieren würde. Dass wir nicht nur alte Texte lesen, sondern auch die Texte der Leute, die draußen sind, die die kirchlichen Texte nicht kennen, dass Leute hier hinkommen und das erste Lied vielleicht sogar kennen, weil sie es gerade auf der Herfahrt im Radio gehört haben...  

Autorin: ... und doch ist dies keine Wellness-Kirche für Studenten, stressgeplagte Berufsanfänger oder junge Familien. Auch wenn e/motion vor zehn Jahren im Wohnzimmer einer christlichen Wohngemeinschaft in Essen entstanden ist. Damals wie heute geht es um Persönliches und Politisches gleichermaßen: um Schularbeitenhilfe für Migrantenkinder in der Nachbarschaft und Projekte in Indien etwa. Ebenso wie um den Sinn des Lebens und die Botschaft von Jesus  Christus, erzählt  Gründungsmitglied Christina Brudereck:

O-Ton: Ich sehe im Augenblick vor allem die Leute, die  Brüche erlebt haben oder deren Leben nicht so gelungen ist, nicht die klassischen Sozialfälle, um die die Kirche sich dann kümmert, sondern Leute, die erlebt haben: Das Leben läuft nicht glatt: Geschiedene, ein Kind ist krank, jemand ist gestorben, irgendwas ist ganz kaputt. Oder die auch an dieser Welt leiden, viele Leute hier waren schon in Indien, versuchen sich zu engagieren und werden müde und wollen aber so gerne was tun, und brauchen - mehr!  

Autorin: Eine Tankstelle für Geist und Seele, aber auch eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammen auf dem Weg sind. Und in der alle das einbringen, was sie können: Kaffeekochen oder Keybord spielen, Stühle stellen oder Tränen trocknen. Nicht perfekt, meint Christina Brudereck, aber mit einer gemeinsamen Vision, die auch in vielen anderen Gemeinden zu finden ist:         
         
O-Ton: Ich sage: Es gibt eine große segnende Kraft, wir nennen die Gott,  und wenn man die hat, kann man weiter durchhalten. Und das zu vermitteln, das wünsche ich mir.

Im Internet: www.cvjm-emotion.de
 

Audiobeitrag e/motion Gemeinde in Essen


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