Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.02.10, Bettina von Clausewitz

Pauls Verryn – ein unbequemer Prophet aus Südafrika

Autorin: Meistens werden Kirchen berühmt wegen ihrer Architektur und Geschichte: Notre Dame in Paris, der Mailänder Dom oder die Dresdener Frauenkirche etwa.

Im südafrikanischen Johannesburg dagegen gibt es eine Kirche, die sich äußerlich unauffällig zwischen die modernen Bürohochhäuser der Innenstadt duckt – und doch ist sie in ganz Afrika berühmt: die Zentrale Methodisten-Kirche.

O-Ton: afrikanischer Gesang, große Gemeinde, mit Tommeln, Klatschen etc.     

Autorin: Sie ist nicht als stolzer Sakralbau berühmt, sondern weil sie seit gut fünf Jahren letzte Zuflucht für Gestrandete und Flüchtlinge ist, vor allem aus den Nachbarländern Südafrikas: ein gigantisches Kirchenasyl für derzeit fast 3.000 Menschen, notdürftig untergebracht auf engstem Raum. Auch der 28-Jährige Evans Kuntonda aus Zimbabwe hat hier gelebt, anderthalb Jahre lang, bevor er einen Job und eine Wohnung fand. Aber immer noch kommt er  jeden Abend, um zu helfen – oder wie jetzt - Gäste durchs Haus zu führen. Treppauf, treppab durch verwinkelte Gänge und zahllose Nebenräume bis auf die Empore:

O-Ton: This is part of the secondary floor ... overvoice: Das hier ist der zweite Stock. Hier oben schlafen etwa 250 Frauen mit ihren Kindern, die Empore ist ihr Schlafzimmer und unten schlafen die Männer, 5 bis 600 jede Nacht. Jeden Abend, so wie jetzt, haben wir um sieben Uhr ein Meeting hier in Kirche, und gleichzeitig einen Gottesdienst in einem anderen großen Raum. Sonntag gibt es dann den großen Abendmahlsgottesdienst für alle.        

O-Ton: Stimmengewirr, junge Männer und Kids        
        
Autorin: In einem anderen Raum sind fast 120 unbegleitete Kinder und Jugendliche untergebracht, ihre Matratzen stapeln sich  in Türmen an der Wand. In allen Räumen, auf den Gängen und in den  Nischen des mehrstöckigen, weitläufigen  Kirchengebäudes liegen und sitzen Menschen mit ihren wenigen Habseligkeiten in Plastiktüten. Es riecht nach Schweiß und Urin, nach Enge und Verzweiflung. Seit den blutigen Überfällen der letzten Jahre auf Zuwanderer aus Zimbabwe oder Lesotho etwa  haben immer mehr traumatisierte Menschen hier Zuflucht gesucht.  In der Kirche des methodistischen Pfarrer Paul Verryn:      
          
O-Ton: I think it is an excrutiating hypocracy ..Overvoice:  Ich halte es für eine quälende Heuchelei, zu erwarten, dass man angesichts dieser Situation nur in der Kirche kniet und brav weiter Hymnen singt. Wir können doch nicht nur über Armut predigen, wenn wir so direkt damit konfrontiert sind, oder nur mit den Leuten sprechen und beten. Ehrlich gesagt sollten wir damit rechnen, dass Gott uns sagt: Ihr seid selbst die Antwort auf eure Gebete, nicht nur irgendeine Hilfsorganisation.... refering to an agency.

Autorin: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben, ich war fremd und ihr habt mich beherbergt“, diese Verse aus dem Matthäusevangelium (Kap 25, 34 -40)  sind ein Schlüsseltext für Pfarrer Paul Verryn, der ebenso charismatisch wie umstritten ist. Ein unbequemer Prophet angesichts der wachsenden Armut, das wäre wohl auch in Deutschland nicht anders.        

O-Ton: We must go on with our business ...Overvoice:  Wir müssen jetzt mit unseren Aufgaben als Kirche fortfahren. Die wichtigste Überlegung für mich ist: Ebenso wie wir früher die Apartheid zur Sünde erklärt  und sie bekämpft haben, müssen wir  jetzt sagen: Armut ist eine Sünde, die enorme Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land, denn sie beherrscht die ganze Welt  ... it leads the world. 

O-Ton/Atmo: afrikanischer Gesang, große Gemeinde, mit Tommeln, Klatschen etc. 

 

Audiobeitrag Pauls Verryn – ein unbequemer Prophet aus Südafrika


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