Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.02.10, Pastor Wolfram Krebs

Ich bin der gute Hirte

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. „Jesus Christus spricht: Ich bin der gute Hirte.“

Das ist für mich das Ansprechendste der „Ich bin...“ Worte Jesu im Johannesevangelium. Pastor bedeutet ja Hirte, da habe ich natürlich eine nahe liegende Beziehung zu diesem Bild. Die hatte ich aber auch schon, als noch kein Mensch auf den Gedanken gekommen wäre, dass ich jemals Pastor werden würde. Ich ging regelmäßig zum Kindergottesdienst, der bei uns Baptisten Sonntagschule heißt. Die Figur des Jesushirten, der in seinen Armen ein verletztes und verlorenes Schäflein rettet, das war sehr häufig an der Flanelltafel zu sehen.

Aber das war beides nicht so die Rolle, von der ich als Kind träumte. Dann schon eher so einer wie David. Auch ein Hirte, aber was für ein Kerl! Der reißt dem Löwen und Bären ihren Raub aus dem Rachen. Nur mit einer Schleuder und ein paar Kieselsteinen bewaffnet tritt er dem Monsterkiller Goliath entgegen und schlägt dem gefällten Riesen mit dessen eigenen Schwert den Kopf ab.

Das war schon eher mein Ding. Mit gewaltfreier Erziehung zum Frieden war es damals nicht weit her. Mit meinen kindlichen Übungen an der Steinschleuder auch nicht, die Fensterscheibe wurde mir vom Taschengeld abgezogen. Jahre später habe ich einen etwas erwachseneren Zugang zu diesem Bild gefunden. So um die Osterzeit machte ich einen ersten Ausritt mit dem Motorrad durch das Bergische Land. Irgendwo hinter Altenberg landete ich mitten in einer Schafherde. Die zog ruhig über die Straße dahin und weder der Hirte, noch seine Herde hatten es eilig. Da hatte ich viel Zeit, mal etwas anderes zu betrachten, als interessante Kurven. Wollige Mutterschafe und jede Menge herum karriolende Osterlämmer. Der Hirte ging ruhigen Schrittes im hinteren Drittel einher. Mit Schlapphut und Hirtenstab, wie aus dem Bilderbuch. „Na, der stirbt bestimmt nicht am Herzinfarkt“, dachte ich mir.

Obwohl ich weiß, dass sich manche die Rolle eines Pastors ganz ähnlich beschaulich vorstellen, glauben Sie mir: Das ist nicht so. Da bemerkte ich zwei Hunde, die um die Herde kreisten, einen Border Collie und eine unbestimmbare Mischung. Auf leise Zeichen des Hirten hin, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte, trieben sie die Herde vor sich her, holten hier ein paar aus dem Graben, jagten ein paar Nachzügler. Die waren unablässig in Bewegung, standen keinen Moment still und schienen dabei richtig Spaß an der Sache zu haben, wenn man das bei Hunden so sagen kann. Ohne diese fleißigen Helfer hätte der Hirte es wohl sehr schwer gehabt. Da hatte ich dann ein Abbild meiner eigenen Pastorenrolle gefunden. Natürlich auch in dem Treiben der beiden Hunde. Aber viel mehr noch darin, dass ich ja auch einen Hirten habe, der für mich sorgt und der mit leisen Zeichen bestimmt, was ich zu tun und zu lassen habe. Ob ich ein Guter Hirte bin, das werden meine Schäfelein wohl unterschiedlich beurteilen. Dass ich einen guten Hirten habe, dass weiß ich.

 

Audiobeitrag Ich bin der gute Hirte


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