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Ich bin das Leben
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. In vielen evangelischen Haushalten haben die Losungen ihren festen Platz. Seit 1732 werden die von der Herrenhuter Brüdergemeine
schriftlich herausgegeben: Ein Bibelvers aus dem Alten, einer aus dem Neuen Testament, dazu eine Liedstrophe, ein Gebet, ein kurzes Gedicht. Einer meiner Computer startet damit in den Tag und ich tu das auch. Diese Bibelworte werden tatsächlich aus einer großen Lostrommel gezogen, daher der Name. Es gibt auch eine Jahreslosung. Für 2010 stammt sie aus Johannes 14 und heißt: Jesus Christus spricht: Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Und der Text gipfelt in dem bekannten Satz: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, denn durch mich.
Ich bin das Leben. Das ist vielleicht der rätselhafteste Teil dieses Satzes. Aber er zielt direkt auf das Wesen des Gottes, an den die Christen glauben. Und dessen Wesen ist schon in seinem Namen beschrieben. Dabei kann man nicht wenige Christen mit einer schlichten Frage in arge Verlegenheit bringen: Wie heißt denn Gott eigentlich? Was für eine Frage: Gott natürlich. Der barmherzige Religionslehrer, und welcher Religionslehrer wäre nicht ein Vorbild an Barmherzigkeit, müsste hier sagen: Diese Antwort ist nicht ganz vollständig. Denn der Gott der Juden und der Christen hat tatsächlich einen Namen: Jahwe lautet der.
In der hebräischen Ursprache sind das die vier Buchstaben JHWH. Das ist der Name, der laut Vater unser geheiligt werde. Den hat Gott selbst dem Mose auf dem Berge am brennenden Dornbusch offenbart. Dieser Name offenbart gleichzeitig auch das Wesen Gottes. Wir orientieren uns bei den Namen unserer Kinder ja eher am Wohlklang, als an der Bedeutung dieser Namen. Obwohl ich gestehen muss, dass ich meine Tochter Sophia Victoria genannt habe, auch mit der stillen Hoffnung, dass wenigstens bei ihr die Weisheit den Sieg davontragen möge.
Ich kenne ein hübsches und sehr munteres Mädchen mit dem schönen Namen Leah. Der werde ich niemals verraten, dass ihr Name eigentlich wilde Kuh bedeutet und dass die bekannteste biblische Trägerin ihres Namens äußerlich eher das Gegenteil von ihr war. Der Gottesname bedeutet: Ich bin der, der ich bin. Oder: Ich bin der, der ich sein werde. Das ist beides möglich, denn das Hebräische kennt keine Gegenwartsform. Das, was wir Gegenwart nennen, ist ja sowieso nur eine gedachte Linie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Man kann diesen Namen in dem Sinne verstehen wie: Ich bin da, ich bin lebendig. Oder etwas spezieller: Ich bin der Gott, der dir begegnet. Und wo Gott Menschen begegnet, da werden Menschen satt, da werden Menschen heil, da werden auch Beziehungen heil, Versöhnung und Frieden wird möglich. Unheil, unversöhnt und friedlos kann man ja irgendwie auch existieren, aber nicht wirklich leben.
Ich bin das Leben: Der Name des lebendigen Gottes: Ich bin da, ich begegne dir und der Name Jesus, der nichts anderes bedeutet, als Gott rettet: Darin erschließt sich mir persönlich das Wesen dessen, was Christen glauben.
Ich bin das Leben
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