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Ich bin die Wahrheit
Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Was ist Wahrheit? fragt Pontius Pilatus im Prozess gegen Jesus. Seine Frage ist aber viel älter.
Sie beschäftigt die Denker seiner Zeit genauso, wie sie über alle Zeiten hinweg heute zu beantworten ist. Man kann natürlich relativierende Antworten suchen nach der Melodie: Jeder hat doch so seine Wahrheiten und Jede Religion trägt in sich einen Teil der Wahrheit oder ähnlich. Das achtet sicherlich die Überzeugungen des Andersdenkenden und schließt niemanden aus. Und weil man auf so einer Basis keine Glaubenskriege führen kann, hat das auch einen hohen Wert aus sich heraus. Im Namen Jesu Vernichtungsfeldzüge zu führen: Etwas Absurderes kann ich mir kaum vorstellen. Wenn diese Toleranz aber nur behauptet ist und nicht mehr ist, als getarnte Beliebigkeit, ist das allerdings weniger, als es sein könnte. Ich bin die Wahrheit sagt Jesus Christus. Dieser Satz lässt deshalb auch noch andere als Pontius Pilatus etwas ratlos, weil er doch ziemlich exklusiv klingt.
In den Gemeinden unserer baptistischen Freikirche gibt es keine Konfirmation wie in den evangelischen Landeskirchen. Wir unterrichten aber auch unseren 12 bis 14jährigen Nachwuchs in biblischen Inhalten und Fragen des Glaubens. Eine meiner Hausaufgaben war immer: Fragt doch einmal eure Eltern, was für Begriffe sie mit Gott verbinden. Und danach fragt sie, was sie mit Jesus verbinden. Meist kam dabei etwa folgendes heraus: Gott ist allmächtig, er ist unendlich groß, er ist der Schöpfer dieser Welt und ähnliches. Und Jesus? Der ist die Liebe, er will unser Freund sein, der hilft mir, wenn ich ihn brauche. Manchmal waren die interviewten Eltern überraschter als ihre Kinder, wenn sie dann hörten, dass da eigentlich gar kein Unterschied ist. Denn in Jesus Christus offenbart Gott ja sein eigenes Wesen. Jemand hat mal gesagt: Jesus ist die Dimension Gottes, der ich begegnen kann und die ich verstehen kann.
Wenn Jesus sagt: Ich bin die Wahrheit, dann meint er auch: Ich bin die Wahrheit über Gott. Man kann Religion verstehen als in den Himmel projizierte Wünsche und Ängste von Menschen. Wenn man etwa den griechischen oder römischen Götterhimmel so ansieht, liegt das auch nahe. Unten streiten die Völker im Krieg gegeneinander und über den Wolken kämpfen parallel dazu die jeweiligen Stammesgötter. Ob mit diesem Ansatz auch so jemand erklärbar ist, wie Jesus Christus? Gott offenbart sich in Jesus Christus. Dieser etwas sperrige Glaubenssatz bedeutet: Du fragst dich, wie Gottes Wesen ist? So wie dieser Jesus, so ist Gott.
Ich bin die Wahrheit, sagt Jesus Christus. Die Wahrheit auch über mein eigenes Leben. In unübersichtlichen Lagen frage ich mich häufig: Wie hätte Jesus denn darüber gedacht, was hätte der denn jetzt getan? Das kann man natürlich für reichlich naiv halten. Aber ein besseres Vorbild als Jesus Christus habe ich noch nicht gefunden. Besonders nicht bei denen, die sich gerne als Maßstab andienen. Ich bin die Wahrheit. Wenn ich mich selbst an dem messe, was die Bibel von Jesus berichtet, dann habe ich auch eine Perspektive dafür, was aus meinem Leben hätte werden können, wenn ich mich mehr an dieser Wahrheit orientiert hätte.
Ich bin die Wahrheit
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