Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.02.10, Pastor Wolfram Krebs

Ich bin der Weg...

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Ich möchte in dieser Woche einige der „Ich bin...“ Worte mit Ihnen betrachten.

Diese Selbstbeschreibungen Jesu sind geradezu typisch für das Evangelium des Johannes. Dabei ist das so eine Sache mit Selbstbeschreibungen. Meine Frau studiert mit regem Interesse die Partnerschaftsanzeigen in der Magazinbeilage einer großformatigen Wochenzeitung. Ich hoffe sehr, sie tut das nicht, um ihre eigenen Marktchancen zu sondieren. Ich schau da natürlich auch rein. Mit interesselosem Wohlgefallen sozusagen. Eine Chance auf diesem Markt hätte ich sowieso nicht. Jedenfalls nicht, wenn ich bei der Wahrheit bliebe. Erstaunlich, was es da in den Anzeigen alles für Wesen gibt. Missgelaunte, leicht übergewichtige und in angespannten wirtschaftlichen Verhältnissen lebende Menschen sind mir in dieser Rubrik noch nicht begegnet. Im wahren Leben allerdings schon sehr oft. Solche Selbstdarstellungen sind ja auch nicht einfach. Nehmen wir einmal Bewerbungsgespräche: „Schildern Sie doch bitte mal Ihre Vorzüge und Begabungen“ lautet da eine beliebte Frage. Da finden manche kaum ein Ende, während andere vor Bescheidenheit nur wenige Worte herausbringen. Die Worte, mit denen Jesus Christus sich uns vorstellt, passen in die bekannten Raster nicht hinein. „Ich bin der Weg...“ Warum sagt Jesus eigentlich nicht: „Ich bin das Ziel“?

Ich war gerade 16 Jahre alt, als ich mich zum Entsetzen meiner besorgten Mutter mit einem Freund auf eine Reise in den Süden machte. Als wir an die französisch-spanische Grenze kamen, sahen wir ein riesiges Werbeplakat eines bekannten Reiseunternehmers. Da war ein Flugzeug abgebildet und darunter der Spruch: „Wir haben 2 Stunden gebraucht. Und Sie?“

Wir sind vor Lachen fast von unserem kleinen Moped gefallen, denn wir waren mehr als eine Woche lang unterwegs gewesen. Die Frage: „Wie lange habt ihr denn gebraucht, warum seid ihr denn nicht mit der Bahn oder dem Flieger gereist?“ haben wir ganz oft gehört. Wirklich verstanden habe ich die damals nicht. Es war ja ganz nett, so am Strand in der Sonne zu liegen, aber den Weg dahin fand ich wesentlich spannender. Da haben sich mir fremde Welten erschlossen, auch völlig neue Erfahrungen mit mir selbst. Das Ziel war mir damals mehr oder weniger egal. Das kann natürlich alles auch aus pubertärer Unbedarftheit geboren sein. Aber fast 40 Jahre später weiß ich, dass es durchaus nicht allein auf das Ziel ankommt.

Der Weg dahin ist alles andere als unwichtig. Für mich ist er entscheidend geblieben. Was ist das Ziel „Wohlstand“ oder „Reichtum“ denn schon wert, wenn man es durch Lug und Betrug erreicht hat? Oder ein Karriereziel, das man nur erreicht hat über einen Weg, der mit zerstörten Mitbewerbern gepflastert ist? Ein Liebesglück, das eine Vielzahl zerbrochener Herzen und gebrochener Menschen zurücklässt? Den Spruch: „Der Zweck heiligt die Mittel“ sucht man in der Bibel vergeblich. Das Wort: „Der Weg ist das Ziel“ findet man so übrigens auch nicht in der Bibel. Aber er kommt dem Geist dessen, was Jesus hier sagt schon näher. Seinem Wesen auch. Das ist kein Zufall, dass Jesus permanent unterwegs ist, dass er sich auf den Weg zu den Menschen macht. Auch seine Jünger sind Nachfolger und nicht ohne Grund hat man die Christen in frühkirchlichen Zeiten die „Anhänger des neuen Weges“ genannt. Und dieser Weg orientiert sich nicht an gefügten Stationen oder gedanklichen Linien. Er ist personalisiert: Jesus selbst ist der Weg. Und hier finden für mich Weg und Ziel zueinander: So zu leben und so zu sein wie dieser Jesus Christus

Audiobeitrag Ich bin der Weg...


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