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Billiglohn
Natürlich ist sie unglaublich. Die Geschichte von Angelika Schwerer zum Beispiel. 15 Jahre hat sie bei Schlecker gearbeitet, als fest Angestellte.
Dann wurde der Markt im fränkischen Heroldsberg geschlossen. Angelika Schwerer wurde gekündigt. Soweit so gut. Unverschämt ist jedoch, dass 300 Meter weiter ein neuer Markt eröffnet wurde, ein sog. Xl Markt. Ob sie dort nicht anfangen könne, wollte sie wissen. Nein, lautete die Antwort der Chefin. Denn dort würden überwiegend Leiharbeiter eingesetzt werden und zwar zum halben Lohn. Oft unter sieben Euro.
Heike Posteuka erging es ähnlich. Auch sie war Verkäuferin bei Schlecker . Anders als Angelika Schwerer durfte sie jedoch zur Zeitarbeitsfirma Meniar wechseln. Aus zehn Euro Stundenlohn wurden so stolze 6 Euro 78. Mittlerweile ist auch sie entlassen. So der Bericht des Magazins stern.
Die Geschichten von Angelika Schwerer und Heile Posteuka sind keine Einzelschicksale. Millionen von Menschen werden in Deutschland schikaniert, kontrolliert und ausgebeutet. Ob bei Schlecker, Kik oder H& M, bei Mr. Wash, oder Netto.
Möglich ist dies, weil es sie gibt, die Lücken in den Arbeitsmarktreformen. Weil gierige Unternehmer sie ausnutzen, die Zeitarbeit, die Mini und Midijobs.
Natürlich ist das empörend. Und jetzt sind sie gefragt, die Politiker, die Lücken im System zu stopfen. Dennoch: Die Arbeitsmarktreformen waren nicht nur schlecht. Hunderttausende haben Arbeit gefunden Menschen, die zuvor arbeitslos waren - ohne Perspektive.
Doch was ist eigentlich mit uns, frage ich mich diese Tage. Wir sind es doch, die nur allzu gerne in den Billig-Läden einkaufen. Und wie heißt es im Kapitalismus immer so schön: Die Nachfrage regelt den Markt. Mit anderen Worten: wir. Wenn wir also Herrn Schlecker boykottieren würden wenn wir sagen: Nein, wir verzichten auf die drei Euro Artikel am Ausgang, die wir immer noch schnell greifen, weil sie einfach so unglaublich billig sind. Die wir greifen, die wir aber garantiert nicht brauchen, weil wir schon sechs verschiedene Packungen mit Osterdekorationen zu Hause rumfliegen haben, oder weil wir Duftkerzen auf dem Klo wenn wir (dann) mal ganz ehrlich sind noch nie riechen konnten. Auch nicht für nur drei Euro. Dann haben wir doch mindestens schon mal sechs Euro gespart. Und dann können wir unsere Ware dort kaufen, wo Menschen angemessen bezahlt werden. Was wäre dann?
Wir sind doch Kunde und wir sind König. Wir bestimmen die Löhne mit unserem Einkaufsverhalten. Natürlich haben wir unsere Gründe, warum wir in den Billigläden einkaufen. Und die sind meist oder ausschließlich finanzieller Natur. Wir haben kein Geld, zu wenig Arbeit, zu viele Kinder, zu viele Schulden wie auch immer. Dennoch: Wir können es uns leisten die Billigläden auch oder auch mal zu meiden. Die meisten von uns davon bin ich überzeugt. Und dann könnte sich wirklich etwas ändern. Dann würden die Löhne gerechter oder wie es heute so schön heißt: Wäre Arbeit immer häufiger auch wieder existenzsichernd. Wie gesagt: Der Kunde ist König. Auch im Schleckerland.
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