Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

08.02.10, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Militärseelsorgerin in Afghanistan

O-Ton: Ich werde von meiner Kirche dazu entsandt, die Soldaten und Soldatinnen da, wo sie ihren Dienst tun, aufzusuchen, d.h. in der Konsequenz ,

ja auch in den Auslandseinsätzen.

Autorin: erzählt Militärseelsorgerin Annegret Wirges, die vor wenigen Wochen von ihrem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückgekommen ist. Freiwillig war ihr Einsatz  nicht – vielmehr ist es so, das alle Militärseelsorger im dritten Jahr ihres Dienstes einen Auslandseinsatz haben. Frei wählen können sie den Ort nicht, sie werden einfach geschickt, allerdings werden sie vorbereitet: 

O-Ton: Ich hab die Ausbildungsabschnitte durchlaufen, die auch die Soldaten in der Vorbereitung machen. Ich muss ja üben oder wissen, wie ich mich verhalte, wenn ich mit Soldaten, die für meine Schutz zuständig sind, unterwegs bin.

Autorin: Vier Monate hat die 49-jährige Pfarrerin der rheinischen Landeskirche, die normalerweise in  Saarlouis stationiert ist, in Masar- i– Scharif gelebt und gearbeitet. Einem zwei Quadratkilometer großem Versorgungscamp, wo allein 2000 deutsche Soldaten leben. Masar-i-Scharif ist vergleichsweise ruhig – anders als der Kundus.

O-Ton: Man geht seiner Arbeit nach und verbringt natürlich darüber hinaus auch so nen bisschen die arbeitsfreie Zeit auch in einer sehr lockeren und gelösten Stimmung. Man hat Möglichkeiten sich in ein Cafe zu setzen.

Autorin: Auch wenn die Soldaten sich in Masar-i- Sharif nicht unmittelbar existenziell bedroht fühlen, so ist die Atmosphäre bei den Gottesdiensten im Militärcamp dennoch besonders. Schließlich sind die Soldaten im Einsatz und wissen:

O-Ton: Dass viele Kameraden, Kameradinnen, die in anderen Landesteilen Afghanistans sind, dort in Gefechten verstrickt sind, also so eine große Solidarität untereinander, die halt zu so einer grundsätzlichen Nachdenklichkeit so führt.

Autorin: Die Gottesdienste waren gut besucht. Aber Annegret Wirges wurde auch intensiv als Seelsorgerin angesprochen. Worum es ging: 

O-Ton: Das eine sind Themen, die sich halt durch die lange Zeit der Trennung von zu Hause ergeben, also Schwierigkeiten in der Beziehung zur Familie, zur Partnerin, zur Ehefrau oder auch zum Ehemann. Das andere sind aber auch Dinge, die sich durch das enge Lagerleben durch das nicht wegkommen durch das sich nicht ausweichen können so ergeben.

Autorin: Immer wieder heiß diskutiert wurde der Auftrag, den die Soldaten haben. Schließlich sind sie von der Bundesregierung nach Afghanistan geschickt worden, im Rahmen der ISAF - der Internationalen Unterstützungstruppe, die den Aufbau des Landes vorantreiben soll. Notfalls auch mit Waffengewalt. Über die Berichterstattung zu Hause haben die Soldaten sich allerdings oftmals gewundert:

O-Ton: Ich beschreibe das gerne mit so einem Kopfschütteln, so ging es mir selber auch. Das hat mich selber auch erstaunt, dass die Diskussion in Deutschland so durch die Parteipolitik bestimmt ist, dass es glaube ich nicht gelingt , da ne vernünftige, gemeinsame  Linie zu finden.  Und vieles auch so auf dem Rücken der Soldaten ausgetragen wird.

Autorin: Gut findet Annegret Wirges, die Diskussion, die durch die Äußerungen der EKD Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, in Gang gekommen ist.

O-Ton: Auch aus meiner Sicht müssen wir weiter dadrüber nachdenken, wie das Verhältnis von militärischem Einsatz und zivilem Engagement in Zukunft aussehen muss.

Audiobeitrag Militärseelsorgerin in Afghanistan


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