Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.02.10, Bernd Tiggemann

Im Knast

Kurz vor Weihnachten war ich das erste Mal im Knast. Aber nur zu Besuch,. Es gibt in meiner Kirchengemeinde einen Besuchsdienst.

Und ich bin da mit Herzklopfen mitgegangen: Wer mir da wohl gegenübersitzen wird? Betrüger? Mörder? Sexualstraftäter?

Vom Parkplatz aus gingen wir durch die erste schwere, dreifach verriegelte Stahltür, vorbei an den bewaffneten Beamten. Sie führen uns in den großen Aufenthaltsraum, die beige Farbe blättert von den Wänden. Kein Bild hängt da das etwas Farbe in diese tristen Raum bringen könnte.

Unsicher setze ich mich hin. "Ich bin der Micha", sagt der Mann vor mir.   Er berichtet von seiner Ausbildung zum Koch. Davon, dass er Musiker ist und mit seiner Band über 120 Auftritte im Jahr hatte, bevor er in den Knast kam. Mit Tränen in den Augen erzählt  Micha von dem größten Fehler seines Lebens, der ihn hinter Gitter gebracht hat. Offen spricht er über seine Schuld und sein Versagen. Ja manchmal, sagt er, wacht er nachts schweißgebadet auf, weil ihm das, was er getan hat, keine Ruhe lässt.

Größer hätte der Kontrast an diesem Nachmittag nicht sein können. Die Türen vom Knast sind total verriegelt. Aber Michas Herz stand sperrangelweit offen. Gut, dass es Menschen gibt, die regelmässig durch die schwere Stahltür gehen und ihre Augen, Ohren und Herzen für Sorgen und Probleme  der Menschen im Knast öffnen.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Im Knast


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