Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

26.01.10, Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

Schlechte Schulnoten

Autorin: Diese Woche ist es wieder soweit – es gibt Zeugnisse.

Für viele Schülerinnen und Schüler ein Grund zur Freude, für viele aber auch  für schlechte Laune, Wut, Ohnmacht und jede Menge Streit. Insbesondere in den Familien geht es oft hoch her. Pastor Jochen Börnke aus Wuppertal ist Elterncoach und rät bei schlechten Noten :

O-Ton: Ruhe bewahren als allererstes und sich gemeinsam an einen Tisch setzen und überlegen, wie es dazu gekommen ist, dass ein Zeugnis so aussieht.

Autorin: Oft ist es auch hilfreich, dass Zeugnis erstmal bei Seite zu legen und ganz bewusst etwas Schönes zusammen zu machen. Pizza essen zu gehen oder ins Kino, um dem Kind deutlich zu machen: Ich mag dich so wie du bist, unabhängig von dem, was du leistet.

O-Ton: Ich finde es ganz falsch Vorwürfe zu machen, weil damit kein Gespräch mehr möglich ist und damit die Fronten verhärtet sind; das tut keinem gut.

Autorin: Das wichtigste ist  nämlich, dass Kinder und Jugendliche eine gute Beziehung zu ihren Eltern haben. Dass der Kontakt nicht abbricht, weil in der Schule, was schief läuft. Kinder und Jugendliche sich aufgeben, Eltern sich genervt abwenden. 

O-Ton: Also nicht gleich mit Vorwürfen zu kommen, sondern es als gemeinsames Gesprächsthema zu nutzen. Was ist gut gelaufen, was ist schlecht gelaufen, warum ist einiges schlecht gelaufen. Auch Eltern könnten sich fragen, welchen Anteil sie daran haben, dass die Noten so ausgefallen sind.

Autorin: Kinder können nämlich nur dann gute Leistungen erbringen, wenn auch Eltern ihre Hausaufgaben machen. Wenn sie dafür sorgen, dass ihre Kinder zu Hause ein gutes Lernumfeld haben. Dazu gehört als allererstes ein aufgeräumter Schreibtisch und ein bisschen Ruhe. Das klingt selbstverständlich, ist es aber allzu oft nicht. Des weiteren ist es sinnvoll, feste Zeiten für Hausaufgaben zu vereinbaren.

O-Ton: Auch den Rahmen zu bestimmen, was an Vorbereitungen für Klassenarbeiten sinnvoll ist, wann anzufangen ist, also, nicht erst am letzten Tag und das auch ein bisschen stärker zu überwachen, gerade wenn schlechte Noten vorliegen auch so im Blick auf die Zukunft.

Autorin: Denn erst einmal müssen Kinder lernen, zu lernen. Erst ab der siebten Klasse werden sie dann selbstständiger, vorausgesetzt sie haben es in den ersten Schuljahren gelernt, sich zu organisieren. Und das geht – wie gesagt – oft nur mit Hilfe der Eltern.

O-Ton: Und auf der anderen Seite finde ich es ganz wichtig, dass Eltern auch vorleben, dass es Spaß macht, neue Wissensgebiete zu erschließen. Das ist eine ganz wichtige Motivationsquelle für Schülerinnen und Schüler.

Autorin: Doch was, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht an Absprachen halten, beispielsweie an die Zeiten, wo sie Hausaufgaben machen sollen. Auch das ist schließlich Alltag. Elterncoach Jochen Börnke rät in dem Fall, Kinder nicht willkürlich zu bestrafen – beispielsweise mit Fernsehverbot für den Abend, sondern stattdessen logisch konsequent zu handeln.

O-Ton: Dass nur eine Freizeitbeschäftigung möglich ist, also rausgehn oder irgendwas unternehmen, wenn das erledigt ist, was vereinbart ist. Und solange ist das untersagt.

Autorin: Statt strafen also logisch konsequent und nachvollziehbar handeln – nicht immer ganz einfach in der konkreten Situation. Einfacher ist es da schon mit Belohnungssystemen zu arbeiten.

O-Ton: Ich finde Belohnungen nicht übel. Weil es eine Form auch ist zu zeigen, ich erkenne das an, was du geleistet hast.

Autorin: Ich denke, das gilt auch für Eltern. Wenn sie ihre Hausaufgaben gemacht, dürfen auch sie sich belohnen. Bestenfalls zusammen mit ihren Kindern.

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