Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

27.01.10, Mark Pollmeier

Loben und loben lassen

"Ich kann nicht mehr!", stöhne ich und halte mir den Bauch. Vor mir steht ein Berg leerer Teller und Schüsseln.

Mein Freund Christian hatte mir zum Geburtstag ein Essen geschenkt und mich dann selbst bekocht. Mit Vorspeise, Nachspeise, passendem Wein. "Das war echt superlecker", sage ich und lehne mich zufrieden in meinem Stuhl zurück.

"Ach, na ja, das bisschen ..." murmelt Christian und nestelt an seiner Serviette. Mit Lob kann er schlecht umgehen, das kenne ich schon von ihm. "Doch, ich mein's wirklich ernst", sage ich deshalb. „Es war phantastisch.“

Irgendwie komisch: Man liest immer, wie wichtig es ist, auch mal ein Lob auszusprechen. Eltern sollen ihre Kinder mehr loben, Chefs ihre Mitarbeiter, Freunde untereinander ... Aber wenn man’s dann mal macht, will es niemand hören. Die meisten Leute werden bloß verlegen, wenn man sie lobt. Oder noch schlimmer: Sie vermuten eine fiese Absicht dahinter. Nach dem Motto: „Was? Der lobt mich? Da kann ja was nicht stimmen.“

Ein Lob anzunehmen, das scheint vielen schwer zu fallen. Dabei sind wir doch alle auf Bestätigung angewiesen. Dass uns mal jemand auf die Schulter klopft und sagt: Gut gemacht, das war echt klasse!

Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich so was höre. Und deshalb habe ich mir fest  vorgenommen: Mehr zu loben – aber mich auch loben zu lassen. Und zwar ganz ohne Misstrauen und Hintergedanken.

Sprecherin: Alexa Christ

Audiobeitrag Loben und loben lassen


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